Katastrophal gefühlsgesteuert fand ihn Fürst Metternich: Papst Pius IX. als Kirchenfürst.
Religion

Der Papst, der sich für die Kirche hielt

Im Buch „Der Unfehlbare“ zeigt der Kirchenhistoriker Hubert Wolf, wie eine konservative Revolution im 19. Jahrhundert unter einem schwachen Papst katholische Traditionen „erfand“ – auf die sich heutige Traditionalisten berufen.

„Io, io sono la tradizione, io, io sono la Chiesa!“ So soll Papst Pius IX. an einem Sommertag des Jahres 1871 bei einer Privataudienz seinen Gesprächspartner angeschrien haben. „Ich, ich bin die Tradition, ich, ich bin die Kirche!“ Das war im dritten Jahr des Ersten Vatikanischen Konzils, und der herbeizitierte Besucher war Filippo Maria Kardinal Guidi. In einer Konzilsdiskussion über die Einführung des Dogmas zur Unfehlbarkeit des Papstes hatte der Kardinal darauf beharrt, dass der Papst nicht allein Glaubenssätze definieren könne.