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IPO

Mehr Börsengänge als zur Finanzkrise

FILE PHOTO: A statue of a bull is displayed outside the Shenzhen Stock Exchange in the southern Chinese city of Shenzhen October 23, 2009
Unternehmen gingen überwiegend in Asien an die Börse.(c) REUTERS (Bobby Yip)
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Ausgerechnet die Finanzbranche holt sich nun das meiste Geld am Aktienmarkt.

Düstere Prognosen können dem Lockruf des Aktienmarktes wenig anhaben. Obwohl Ökonomen heuer den schlimmsten Weltwirtschaftseinbruch seit mehr als 100 Jahren erwarten, drängen deutlich mehr Unternehmen an die Börse als zur Finanzkrisenzeit.
Zwar brachte das Coronavirus das Emissionsgeschäft vielerorts zum Erliegen. Dennoch hat sich das weltweite Volumen der Börsengänge (IPO) im ersten Halbjahr 2020 auf 71 Milliarden US-Dollar belaufen. Und liegt damit nicht weit entfernt vom Volumen im ersten Halbjahr 2019 in Höhe von 81 Mrd. Dollar.

Im Vergleich zur Finanzkrise 2008/2009 ist das eine überraschend robuste Entwicklung. So hatten Unternehmen im zweiten Halbjahr 2008 lediglich elf Mrd. Dollar erlöst, in der ersten Jahreshälfte 2009 waren es etwa 14 Mrd. Dollar gewesen.

Nullzinsära macht es möglich

„Die Neuemittenten profitieren von der unerwartet raschen Erholung der Kapitalmärkte nach dem Corona-Crash“, erklärt Bain-Partner und Kapitalmarktexperte Mike Kühnel. „Zudem konnten viele Unternehmen mit einer intakten Wachstumsstory bei Investoren punkten, die in der Nullzinsära attraktive Anlagemöglichkeiten suchen.“

Insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum sowie in den USA wurde sich an die Börse getraut. Könnte Asien abermals zum Zugpferd aus der Krise werden? Nach der Finanzkrise hatte China die Weltwirtschaft mit großen Konjunkturprogrammen angekurbelt. Diese Strategie wird wieder aus der Schublade geholt. Allerdings richtet sich das Reich der Mitte inzwischen mehr auf nationale Produktion aus. Auf Europa entfielen nur knapp zehn Prozent des IPO-Volumens. Dabei war der Kaffeekonzern JDE Peet's mit seinem Börsengang im Mai 2020 im Wert von rund 2,9 Mrd. Dollar das einzige europäische Unternehmen unter den besten Zehn der Welt.

Die Finanzbranche, der Sektor der damals die Finanzkrise ausgelöst hatte, sammelt nun das meiste Geld ein. Auf sie entfällt 23 Prozent des Volumen, gefolgt von Gesundheitsfirmen (20 Prozent) und der Industrie (19 Prozent).