Schnellauswahl
Morgenglosse

Ein EU-Gipfel ohne Küsschen

Die Staats- und Regierungschefs müssen bei ihrem ersten persönlichen Treffen seit Ausbruch der Coronakrise strenge Abstandsregeln einhalten.

Vorbei sind die Zeiten, als stürmische Umarmungen und Kussattacken in Brüssel gefürchtet waren wie das berühmte Verkehrschaos vor jedem EU-Gipfel: Kaum ein Staats- und Regierungschef, der nicht von einer ungebetenen Liebkosung des damaligen Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker überrascht worden wäre.

Heute ist alles anders. Erstens ist Juncker nicht mehr Kommissionspräsident; und weder seiner Nachfolgerin Ursula von der Leyen noch dem Gastgeber des heutigen Ratstreffens, Charles Michel, würden derartige Intimitäten zu Gesicht stehen. Zweitens ist dies der erste Gipfel seit Ausbruch der Coronakrise, zu dem alle Teilnehmer persönlich anreisen, anstatt sich in sicherer Entfernung über Videokonferenz auszutauschen.

Entsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen. Berührungen jeder Art, und sei es auch nur ein freundlicher Händedruck, sind nicht erlaubt; ebenso wenig wie das traditionell enge Beisammenstehen kleiner Gruppen vor Gipfelbeginn. Dafür dürfen die Teilnehmer während der Verhandlungen zum neuen EU-Budget und dem Corona-Aufbaufonds erstmals gefilterte Frischluft atmen, was im besten Fall die Konzentration aller Beteiligten erhöhen dürfte. Die Gespräche sollen in einem 850 Quadratmeter großen Raum abgehalten werden, der normalerweise 330 Personen fasst. Die Sitzgelegenheiten garantieren mindestens eineinhalb Meter Platz für jeden. Und sollte Abstandhalten im Ausnahmefall nicht möglich sein, muss eine Maske aushelfen.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Staats- und Regierungschefs trotz so viel körperlicher Distanz heute inhaltlich näher kommen.

Mitreden bei den Coronahilfen: Sollen wir die Wirtschaft anderer EU-Länder retten?

>>> Hier geht's zum Forum