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Italien

Trentino, draußen an der frischen Luft

Lebendige und stille Nachbarn: der Lago di Caldonazzo und der kleinere Lago di Levico.
Lebendige und stille Nachbarn: der Lago di Caldonazzo und der kleinere Lago di Levico.Carlo Baroni
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Die Trentiner nennen's „Mikroabenteuer“: Auf 300 Seen und zwischen Dolomitengipfeln sind Urlaubstage aktiv.

Das Trentino liegt vielleicht nicht um die nächste Ecke für einen Urlaub mit Eigenanreise (mit dem Zug kommt man gut nach Trient), aber es ist schön: Von den Alpen hat die Provinz einen der besten Anteile, es macht sich bereits oberitalienische Seenvielfalt bemerkbar, zudem hat das Trentino einen kleinen Anteil am Gardasee. Wir verbringen heuer gern viel Zeit im Freien, und hier gibt's dafür viele Gelegenheiten (visittrentino.info). Und wenn am Ende eines Outdoor-Tages alpin-mediterranes Essen auf dem Tisch steht, ist das auch kein Fehler.

Mit Kanu und SUP zur Bronzezeit am Ledrosee

Viele fahren weiter zum Gardasee, wenige biegen ab zum Lago di Ledro. Ein Fehler, denn dieses stille Gewässer liegt formschön in die Berge eingebettet. Ein Gletscher hat den Ledrosee geschaffen, den man am besten in aller Ruhe erkundet – langsam dahingleitend mit dem Kanu oder dem SUP. Am Strand in Molina di Ledro kann man sich Kanus und andere Ausrüstung beim örtlichen Kanuverein ausborgen. Auch der Hype ums Stand-up-Paddeln ist am Ledrosee nicht vorübergegangen, sodass man nicht ganz allein unterwegs ist. Und bei Gelegenheit kann man hier auch einen Blick auf die archäologischen Funde beim Wasser werfen. Reste einer Pfahlbausiedlung aus der Bronzezeit.

Warmwasser und Ökotal: Caldonazzo im Valsugana

Und noch ein See im gewässerreichen Trentino, den man nicht versäumen sollte, zumal er nicht weit weg von Trient liegt: der Lago di Caldonazzo, wobei eine seiner wichtigsten Eigenschaften bereits im Wort steckt: Er ist caldo – warm, wenn nicht einer der wärmsten in den Alpen. Damit ist er ein beliebtes Badeziel. Er ist auch der einzige der 297 Trentiner Seen, an dem es Motorbootverkehr gibt. Das ist bei seinem unmittelbaren Nachbarn, dem Lago di Levico, nicht der Fall.

Trentino mit seinen vielen Seen hat nicht von ungefähr den Ruf eines Finnland Italiens Hier der Lago di Molveno.
Trentino mit seinen vielen Seen hat nicht von ungefähr den Ruf eines Finnland Italiens Hier der Lago di Molveno.Carlos Baroni

Für beide gilt jedoch: Blaue Flagge für sehr gute Wasserqualität. Man ist hier gemütlich unterwegs, mit dem Fahrrad und auf ausgedehnten Wanderwegen durch die Berge. Die beiden Seen liegen im Valsugana, es ist übrigens das erste Reiseziel weltweit, das nach den Kriterien des Global Sustainable Tourism Council für nachhaltigen Tourismus zertifiziert wurde.

Der Molvenosee, er soll der schönste aller sein

Ein wenig größer und etwas höher gelegen ist der Lago di Molveno. Auch das Panorama ist nicht schlecht – die Brentagruppe umkränzt das Gewässer, das von der Umweltorganisation Legambiente und dem Touring Club Italiano über mehrere Jahre hinweg zum schönsten See des Landes gewählt wurde: Seine leuchtend blaue Farbe (wenig Phytoplankton) zieht Wassersportler an – vom Surfer und Segler bis zum Angler und Kanuten, die sich bei mehr Wasserkontakt doch wundern, wie erfrischend er sein kann. Der Molvenosee ist halt ein Alpensee, geprägt von den Dolomiten und geschaffen von einem Bergsturz. Paragleiter und Drachenflieger schätzen die Thermik und, wie die Mountainbiker auch, die ansehnliche Gebirgsoptik.

Kunst-Parcours an der Dolomiten-Höhenluft

Es gibt viele Motive, warum man wandert: Kunst ist es eher selten. Im Trentino schon, zumal sich in Pampeago im Val di Fiemme mit dem „RespirArt“ einer der höchstgelegenen Kunstparks weltweit befindet. 2011 hatten die Journalistin und Kuratorin Beatrice Calamari und der Künstler Marco Nones begonnen, auf dem Monte Agnello auf über 2000 Metern Kunstobjekte aufzustellen. Rundherum Dolomitengipfel wie der Latemar, dazwischen originelle Arbeiten oft aus Holz und viele von Rang, darunter auch solche des bekannten Künstlers Hidetoshi Nagasawa. Immer wieder kommen neue dazu. Dass sie der alpinen Witterung ausgesetzt sind, ist Teil des Konzepts. Das ringförmige Areal von „RespirArt“ ist auch Schauplatz anderer künstlerischer Interventionen. Auf der Freilichtbühne gegenüber der Caserina Hütte gibt es regelmäßig musikalische und literarische Einlagen. https://respirart.com

Übernachten zwischen Tannen im Val di Fassa

Des Naturgenusses ist nächtens nicht genug: Hoch in den Bäumen schläft man etwa im Val di Fassa. In San Giovanni di Fassa steht das erste Baumhaus Trentinos, initiiert von Nadia Pitto und ihrem Agritour-Betrieb (fiores.it).

In der Casa Albero im Val di Fassa schlafen Urlauber zwischen Wipfeln.
In der Casa Albero im Val di Fassa schlafen Urlauber zwischen Wipfeln.Agritur Fiores

Auf Stelzen ragt das Holzhaus mit großen Fenstern zwischen Tannen auf, den Gästen stehen 25 Quadratmeter Wohnraum und zusätzlich 20 Quadratmeter Terrasse zur Verfügung, es gibt auch einen Whirlpool, und das Frühstück wird im Koffer geliefert. (ag./mad)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2020)