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Klimawandel

Wie man Kühen das Rülpsen abgewöhnt

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Der Methanausstoß ist gestiegen, um neun Prozent seit 2005. Um das aggressive Treibhausgas in den Griff zu kriegen, empfehlen Forscher bestimmte Algen zum Füttern von Rindern. Was tut sich da in den Mägen?

Riechen kann man es nicht, aber es ist ein besonders aggressives Treibhausgas: das Methan (CH4). Zwar gibt es davon viel weniger als vom Kohlendioxid, aber pro Einheit heizt es die Erdatmosphäre – über 100 Jahre gerechnet – um 28 Mal stärker auf. Damit geht fast ein Viertel des Strahlungsantriebs seit der industriellen Revolution auf sein Konto. Methan kommt auch aus natürlichen Quellen wie Sümpfen und brodelnden Schlammvulkanen. Aber gut die Hälfte bis zwei Drittel der Emissionen sind heute durch menschliche Aktivitäten verursacht. Vor allem sie haben bewirkt, dass die Konzentration in der Atmosphäre mehr als zweieinhalb Mal höher ist als in vorindustriellen Zeiten. Allein zwischen 2005 und 2017 (dem letzten Jahr, für das Daten vorliegen) sind die Mengen um neun Prozent gestiegen. Diese Zwischenbilanz haben Klimaforscher um Rob Jackson in Stanford jahrelang erarbeitet und nun in zwei Arbeiten veröffentlicht (in Earth Science Data und Environmental Research Letters, 14. 7.).

Ein Klimawandel-Alarm mehr, gar ein Anlass für Fatalismus? Methan hat eine gute Eigenschaft: Anders als nicht absorbiertes CO2, das uns Hunderttausende Jahre erhalten bleibt, ist es innerhalb eines Jahrzehnts abgebaut. Damit zeigt jede Maßnahme zu seiner Reduktion rasche Effekte.

Was aber lässt sich tun? Ein Drittel der vom Menschen verursachten Emissionen kommen von den üblichen Verdächtigen: den fossilen Brennstoffen. Beim Abbau und Transport von Öl, Erdgas oder Kohle wird auch Methan frei. Aktuell besondere Sorgen machen die aufgelassenen Fracking-Bohrlöcher in den USA. Ein Ansatz ist, lecke Stellen, an denen das Gas austritt, durch Satelliten oder Drohnen rascher aufzuspüren. Die zwei weiteren Drittel kommen aus der vom Menschen kultivierten Natur: Beim Nassanbau von Reis bildet sich viel Methan in der sauerstoffarmen Zone des Stauwassers, wie in einem Sumpf. Das Gros ist aber der globalen Herde von über eineinhalb Milliarden Rindern, Schafen und Ziegen zuzurechnen.

Damit ein Wiederkäuer das ballaststoffreiche Gras und Heu verdauen kann, müssen es Millionen von Mikroben in seinen Eingeweiden in Säuren und Gase umwandeln. Im Pansen genannten dritten Vormagen, einer großen Gärkammer, fällt bei dieser Fermentation Wasserstoff an. Er verbindet sich mit Kohlenstoff zu CH4. Den größten Teil davon rülpsen die Rinder aus, einen kleineren führen sie durch Darmwinde aus dem Körper. Dabei verlieren sie auch einen Teil der aufgenommenen Energie.

Womit sich schon länger die Frage stellt: Muss das sein? Gibt es Möglichkeiten, die Methanbildung zu drosseln, ohne die wundersame Symbiose mit den Bakterien in den Verdauungstrakten zu stören? Der Wasserstoff kann ja theoretisch auch in Fettsäuren eingebaut werden, die dem Wirtstier sogar zusätzliche Energie zuführen, was die Milchherstellung effizienter machen könnte.

Man hat es mit vielen natürlichen und synthetischen Futterbeigaben versucht. Manche zeigten Nebenwirkungen, keine schaffte eine Reduktion von mehr als 30 Prozent. Bis ein kanadischer Bauer bemerkte, wie gut seinen an der Küste weidenden Kühen der Verzehr von angeschwemmten Seegras tut. Forscher untersuchten 2014 die Wirkung dieser Algen. Dabei zeigte sich auch, dass sie durch ein Enzym die Methanbildung massiv einschränken.