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Motorrad-WM

Spiel mit Schräglage und Gashahn

Maximilian Kofler auf seiner KTM.
Maximilian Kofler auf seiner KTM.(c) PSP/CIP
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Der Attnanger Maximilian Kofler, 19, ist Österreichs erster WM-Starter mit fixem Vertrag seit über einem Jahrzehnt. Über Träume, Ziele, KTM und den Sound vor leeren Tribünen.

Jerez/Wien. Am Wochenende wird es in Jerez wieder besonders laut. Zwar fehlen auch beim Start der Moto GP-WM die Zuschauer, doch der Sound, den Motorräder freilassen, der geht eben auch über den Fernseher unter die Haut. Während es für Stars wie Titelverteidiger Marc Márquez – der Spanier in Diensten von Honda strebt wie Lewis Hamilton in der Formel 1 nach dem siebenten Titel nach 2013, 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019 – ob der Coronapandemie erst der Saisonauftakt ist, ist es für den Attnanger Maximilian Kofler die Fortsetzung seines großen Traums.

Der Teenager, 19, ist Österreichs einziger Beitrag – bis auf die beiden Rennen im August in Spielberg – in dieser Saison. Er fährt eine KTM RC 250 für das französische Cip-Greenpower-Team und wurde beim Auftakt in Katar im vergangenen März 27. Freilich strebe er nach mehr, doch es war ein Anfang. Immerhin, erzählt der 19-Jährige. Zudem, er ist der erste Österreicher seit über zehn Jahren, der einen Fixplatz in der WM hat.

Michael Ranseder war von 2004 bis 2009 in der 125er-Klasse unterwegs gewesen, für Kiefer Racing absolvierte er 2010 sieben Läufe in der Moto2. 2013 schaffte Martin Bauer (Suter-BMW) immerhin zwei Starts in der Königsklasse, der Moto GP.

 

Schneller dank Matura?

„Dank der Unterstützung von KTM, meinen Eltern und Sponsoren wurde die WM Realität“, gluckst Kofler, der seit Kindertagen auf dem „Bike“ sitzt und tüchtig Gas gibt. Wildcard-Starts in der vergangenen Saison machten Lust auf mehr, dem Team gefiel die Performance. Dank KTM, in Mattighofen ansässig, wurde alles noch leichter. Und weil er in der rennfreien Zeit die Matura machte, ist auch seitens der Familie mit keinerlei Einwänden zu rechnen. Fit hielt sich Kofler mit Superstock- sowie Fahrten auf der Motocrossmaschine. Das Moto3-Bike (Einzylinder-Viertaktmotoren mit 250 ccm) durften laut Weltverband FIM nicht benutzt werden.

Gleich zwei Rennwochenenden werden jetzt auf dem 4,4 Kilometer langen Circuito de Jerez, der seit 1987 im WM-Kalender strahlt, unter die Räder genommen. Zuerst wartet der Große Preis von Spanien, am folgenden Sonntag der Große Preis von Andalusien. Kofler freut sich, er sagt: „Ich finde die Strecke ganz gut, habe auch sehr gute Erinnerungen an Jerez. Hier unterschrieb ich im vergangenen September den Vertrag!“ Reich („Ich wohne mit meinem Vater im Wohnmobil“) wird man auf Anhieb freilich nicht in der WM, aber es sei ein Einstieg. Er hat sozusagen das Vorderrad in der Tür für weitere Aufgaben.

 

Null statt 130.000 Zuschauer

Vor seinem sechsten GP verspüre er Nervosität. Start, 40 Grad, der Rummel mit anderen Piloten, Rad-an-Rad-Duelle, Überholmanöver, Kurven schneiden: jetzt starte sein Abenteuer richtig. Ähnlich der Formel 1 herrscht auch bei der Moto GP ein Covid-Protokoll. Maskenpflicht, Mindestabstand, kein Kontakt zu anderen Teams – und leere Tribünen. Das findet Kofler zwar „komisch“, schließlich drängen sich in Jerez stets 130.000 Zuschauer, aber wenn es sein muss, könne er auch damit leben. Hauptsache, er kann jetzt wieder einfühlsam mit dem Gashahn spielen.

AUF EINEN BLICK

Maximilian Kofler bestreitet als einziger Österreicher die Motorrad-WM. Er fährt in der Moto3-Klasse mit einer KTM RC 250.

In Jerez startet am Wochenende auch die Moto GP ihre Saison. Marc Márquez (ESP, Honda) ist Titelverteidiger und fährt um den siebenten Titel.

Live-TV: Samstag (12.20), Sonntag (10.20 Uhr), ServusTV.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2020)