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Kinderzeitung

Nicht meckern, sondern selber machen!

Spaß soll Musik hier machen – aber nicht nur Klamauk sein.
Spaß soll Musik hier machen – aber nicht nur Klamauk sein.Kindermusikfestival St. Gilgen
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Trotz Corona findet es auch heuer statt: Das Kindermusikfestival in St. Gilgen. Die Gründerin Marie-Theres Arnbom erzählt uns, warum es heuer ganz besonders wird.

Es ist einer der schönsten Seen in Österreich, der Wolfgangsee im Salzkammergut, nicht weit weg von der Stadt Salzburg. Hier, in einem viele hunderte Jahre alten Haus direkt am See, treffen wir Marie-Theres Arnbom. Eigentlich schreibt sie Bücher über die Vergangenheit, sie ist Historikerin. Vor 16 Jahren aber hat sie hier in St. Gilgen, wo ihre Familie dieses märchenhafte Sommerhaus besitzt, etwas ganz anderes begonnen. Sie hat ein Sommerfestival mit Musik für Kinder gegründet.

Die Kinder sind also das Publikum, gespielt wird von Erwachsenen.
Jedes Jahr finden hier an ein paar Tagen hintereinander – deswegen heißt es Festival – Konzerte und Musiktheater nur für euch statt. Warum Marie-Theres das getan hat? Das erzählt sie uns jetzt: „Jeden Sommer habe ich hier mit meiner kleinen Nichte und meinem kleinen Neffen den Urlaub verbracht. Überall hier gibt es wundervolle Konzerte für Erwachsene, die ich sehr gern besuche. Nur für Veronika und Peter, damals vier und fünf Jahre alt, gab es gar kein Angebot.“ Anstatt darüber zu jammern, hat Marie-Theres einfach selbst etwas organisiert – „nicht meckern, selber machen“, sagt sie.

So „einfach“ wie das klingt, ist das natürlich nicht, man muss den richtigen Ort finden, die richtigen Musiker, richtig viele Karten verkaufen, damit man auch alles bezahlen kann. Auch ein Logo und ein Plakat braucht man natürlich, um Werbung zu machen – dafür konnte Marie-Theres sogar ihren Lieblingskinderbuchillustrator, Philip Waechter, gewinnen. All das hat geklappt – und 2004 fand das allererste Kindermusikfestival in St. Gilgen statt. Damals noch im alten Kino, mittlerweile am sehr schön ausgebauten Dachboden des Mozarthauses – dem Haus, in dem im Jahr 1720 die Mutter von Wolfgang Amadeus geboren wurde.

Kinder soll man ernst nehmen. Was glaubt ihr, ist eines der schwierigsten Dinge für Marie-Theres bei der Organisation? Man glaubt es kaum – aber wirklich gute Künstler beziehungsweise wirklich gute neue Stücke für Kinder zu finden.
„Ich gehe viel in Kinderkonzerte in Wien und der Großteil davon ist schrecklich, obwohl es über die Jahre besser wird.“ Warum? „Entweder sind die Aufführungen zu belehrend oder die Kinder werden nicht ernst genommen.“ Natürlich gibt es Ausnahmen, eine davon ist Marko Simsa, den viele von euch wohl kennen – und der ein Stammgast auch beim Kindermusikfestival geworden ist.

Trotzdem merkt man, dass Marie-Theres ihren Ärger über die oft schlechte Qualität, die Kindern geboten wird – das Schlimmste ist, wenn sie die Geschichte nicht verstehen können, weil so undeutlich gesprochen wird – nicht verbergen kann. Also entschied sie sich, ihr Programm altmodisch im besten Sinn zu machen: „Ich möchte den Kindern eine Stunde Verzauberung schenken, ich möchte, dass sie verstehen, welche Faszination und welches Glück man durch Musik erfahren kann.“

Von Anfang an ein Erfolg. Das scheint ihr jedenfalls gut zu gelingen, und die Kinder, aber auch ihre Eltern und die vielen Großeltern, die hierher im Sommer mit ihren Enkeln kommen, überzeugt zu haben: Von Anfang an war das Festival sehr gut besucht, man muss sich seine Karten also am besten schon im Vorfeld sichern.
Vor allem heuer, in Coronazeiten. Schnell war Marie-Theres klar, dass sie trotz aller Auflagen das Festival dennoch machen möchte. Nicht nur das, sie hat sogar ein zweites Festival, die „Hölle am Wolfgangsee“, organisiert, das jeden Mittwoch im Sommer stattfindet, allerdings für Erwachsene – es handelt sich um ein historisches Kabarettprogramm, das sonst im Keller des Theaters an der Wien stattfindet. Heuer erstmals „auf Sommerfrische“ (siehe Wusstet-ihr-schon-Kasten unten) am See.

Marko Simsa ist mittlerweile ein Stammgast beim Kindermusikfestival, hier bei einem seiner Auftritte im Mozarthaus.
Marko Simsa ist mittlerweile ein Stammgast beim Kindermusikfestival, hier bei einem seiner Auftritte im Mozarthaus.Kindermusikfestival St. Gilgen



Zurück aber zu euch, zum Kinderfestival: Da wird sich heuer nicht viel ändern, außer dass es weniger Karten gibt, sie sind beschränkt auf 100 pro Vorstellung. Und dass im Saal Familien-Sessel-Inseln aufgebaut wurden, um den vorgeschriebenen Mindestabstand einzuhalten. Bis zu den Plätzen müssen alle über sechs Jahre (falls sich bis dahin nichts ändert) ihre Masken tragen. Am Platz selbst kann man sie dann wieder ablegen und die Aufführung wie gewohnt genießen. Eine Stunde dauern diese, wie gewohnt, Pausen gab es auch bisher keine. Eine Eintrittskarte kostet übrigens 12 Euro, alle drei Vorstellungen, ein Abo also, ein bisschen weniger, 33 Euro.

Was steht heuer am Programm? Was erwartet euch heuer während der drei Tage – 5., 6. und 7. August? Marit Beyer und Olivia Trummer (eine Schauspielerin und eine Pianistin) erzählen das dänische Märchen der „Kleinen Meerjungfrau“.

Der Klarinettist Ib Hausmann, die Tänzerin Celine Bräunig und Christoph Ullrich am Klavier suchen eine verschwundene Ballerina, die ausgerechnet vor dem großen Tanzfest für den König davongelaufen ist. Das Stück heißt daher zu Recht: „Aufregung im Königreich“.

Die Zauberflöte für Kinder. Der Beginn des Festivals ist eine Premiere – und mit ihr schließt sich der Kreis zum Anfang unserer Geschichte, was Marie-Theres sehr am Herzen liegt. Denn ihre Nichte Veronika Kühnelt-Leddihn, das einst vierjährige Mädchen, für das sie das Festival gegründet hat, wird heuer selbst eine Oper auf die Bühne bringen. Veronika ist mittlerweile erwachsen und studiert Musiktheaterregie in Wien. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen von der Uni hat sie Mozarts berühmte Oper „Die Zauberflöte“ für euch einstudiert – mit einem eigens gecasteten jungen Team an Sängerinnen und Sängern und einem lustigen „Stargast“ (Christoph Wagner-Trenkwitz als Sarastro).
Habt ihr jetzt vielleicht Lust bekommen? Alle näheren Infos bekommt ihr (und eure Eltern) im Internet unter: www.kindermusikfestival.at