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Sozialminister

Rudolf Anschober: Der Krisengewinner

„Einer, der grübelt“: Rudolf Anschober ist seit Jänner Gesundheits- und Sozialminister.(c) Die Presse/Clemens Fabry
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Der beliebteste Politiker des Landes heißt plötzlich Rudolf Anschober. Er beherrscht die Kommunikation. Aber auch sein Ressort?

Es gab einmal eine Zeit, in der Rudolf Anschober in der Wiener Josefstadt im Café Eiles saß, allein an einem der hinteren Tische, und auf Journalisten wartete. Damals war er Landesrat in Oberösterreich, zuständig für Integration, und landläufig sagte man: „Der Anschober mit seinen Flüchtlingen.“

Der Grüne ist jener österreichische Politiker, der am konstantesten für Chancen für geflüchtete Menschen geworben hat. Er schuf 2017 mit der Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ für viele Menschen eine Plattform, um über Parteigrenzen hinweg für ein Bleiberecht für Lehrlinge einzustehen. „Wir hatten letztlich Mehrheitswerte von 70, 75, 80 Prozent von Menschen in der Bevölkerung, die für die Integration von Lehrlingen waren“, sagt er.

Damals regierte noch Türkis-Blau. Heute regiert Türkis-Grün. Und noch bevor die Regierung stand, stimmte das Parlament für einen Abschiebestopp für Lehrlinge (ein „Etappenerfolg“, sagt Anschober, „und ich arbeite natürlich weiter daran, dass es zu einer endgültigen Lösung kommt“). Anschober wurde Bundesminister. Er leitet das große Sozial- und Gesundheitsressort. „Das Ministerium für Zusammenhalt“, so wollte er es taufen, als die Regierung mit der Arbeit anfing – dann kam Corona. Eine Zeit, in der die Menschen einander zuerst das Klopapier im Supermarkt aus den Händen rissen und wenig später Masken aufsetzten, um einander gegenseitig nicht anzustecken. „Schau auf dich, schau auf mich“, plakatierte die Regierung.

„Wir werden dann einen Weg zu einem guten Leben finden, wenn wir den anderen mitnehmen“, sagt Anschober. Er hoffe, dass das Gefühl auch nach der Coronakrise erhalten bleibe. „Jede Krise ist auch eine Chance“, sagt er. Mit Krisen kennt er sich aus. Er überstand 2012 ein Burn-out.