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Mein Montag

Ein Kochbuch für Kannibalen

Im Backofen kann man viele köstliche Dinge zubereiten - Kinder gehören da aber (hoffentlich) nicht dazu!
Im Backofen kann man viele köstliche Dinge zubereiten - Kinder gehören da aber (hoffentlich) nicht dazu!(c) imago images/Cavan Images (Cavan Images via www.imago-images.de)
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Wenn der Titel eines Buchs missverständlich ist und warum man Kinder trotzdem nicht bäckt.

Per Mail wies kürzlich ein Buchhändler auf eine Neuerscheinung hin, die ein wenig stutzig macht. Der Titel erweckt nämlich den Eindruck eines Kochbuchs für Kannibalen. Zwar lächeln die beiden Kinder auf dem Cover von „Kinder backen mit Christina“, so wie auch die Frau im Hintergrund (vermutlich Christina), doch wer weiß, was auf den kommenden Seiten passieren wird – werden die Kinder tatsächlich im Backofen landen? Vorsichtige Entwarnung: Es wird wohl ein sprachliches Problem sein. Hauptsatzwertige Infinitivphrasen finden sich häufig bei Aufschriften, Anweisungen – und auch bei Kochrezepten. „Kuchen backen“, zum Beispiel. Das Hauptwort davor ist das, was mit dem Verb gemacht werden soll. Allein, der Infinitiv bzw. die Nennform ist meist gleichlautend mit der dritten Person Plural im Indikativ. Gemeint ist im Buchtitel also mitnichten, dass Kinder gebacken werden sollen, sondern die Kinder selbst etwas backen. Hoffentlich . . .

Man kennt solche Missverständnisse auch aus anderen sprachlichen Konstellationen. Sie wissen schon, Hühnerschnitzel und Kinderschnitzel. Einmal ist der Inhalt gemeint, einmal die Zielgruppe, so wie auch beim Bauernschmaus. Und auch Beistriche können Leben retten – bei „komm, wir essen, Opa“ muss der Großvater nicht fürchten, selbst auf dem Teller zu landen, wie das bei „komm, wir essen Opa“ der Fall wäre.

Damit aber genug des Kannibalismus – apropos, dieser Begriff leitet sich vom Stamm der Kariben ab. Caribe bedeutete in ihrer Sprache ursprünglich stark, tapfer oder geschickt. Kolumbus schrieb ihnen jedoch zu, dass sie Menschen verzehren. Und verstümmelt durch eine falsche Schreibweise wurde im Spanischen schließlich der Caníbal zum Begriff für einen Menschenfresser. Regt Sie das auf? Dann kochen Sie doch vor Wut – gibt es dazu eigentlich schon ein Kochbuch?

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com