Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Bilanzfälschung

Mattersburg-Bank: Offenbar sowohl Einlagen als auch Kredite fingiert

Commerzialbank Mattersburg
Erst letzte Woche flog der Skandal auf.APA/ROBERT JAEGER
  • Drucken

Angebliche Gelder bei Großbanken sollen Luftnummern gewesen sein. Die Saldenbestätigungen wurden möglicherweise selbst ausgestellt.

Im Skandal um die burgenländische Commerzialbank Mattersburg sollen die Malversationen weit länger als ein Jahrzehnt angedauert haben, dabei sollen Kredite und Einlagen fingiert worden sein. Laut „Standard" (Montagausgabe) soll das kleine Institut bei fünf Großbanken je 40 bis 65 Mio. Euro liegen gehabt haben, tatsächlich hätten die echten Einlagen einmal 300.000 und einmal 100.000 Euro betragen.

Bei angeblich 800 Mio. Euro Bilanzsumme im Jahr 2018 sollen die Einlagen bei Kreditinstituten wie berichtet in Summe 315 Mio. Euro betragen haben. Möglicherweise sei ein Drittel bis zur Hälfte der Bilanzsumme erfunden, die Überschuldung könne bei 400 bis 500 Mio. Euro liegen, hieß es am Samstag in den „Salzburger Nachrichten" (SN). Die „erfundenen" Einlagen bei anderen Instituten hätten das zentrale Hilfsmittel dargestellt, Saldenbestätigungen seien gefälscht worden, so der „Standard" - es gilt die Unschuldsvermutung. Der Aufsichtsrat habe nichts davon gewusst.

Solche Saldenbestätigungen müssten an sich vom Wirtschaftsprüfer bei den jeweiligen Banken selbst eingeholt werden, bei der Commerzialbank Mattersburg sei das anders gelaufen, heißt es in dem Bericht. Die Burgenländer hätten die meist gefakten Bestätigungen auf Briefpapier der jeweiligen Bank an den Wirtschaftsprüfer TPA geschickt, dort sage man, man habe stets korrekt gearbeitet. TPA prüft die Bilanzen seit 2006 und meinte vorige Woche, man sei Opfer, das „Vertrauen in die Korrektheit der zur Verfügung gestellten Unterlagen" sei missbraucht worden.

Vor-Ort-Prüfung brachte Ungereimheiten ans Licht

Zudem seien Kredite fingiert worden, um Zinseinnahmen zu suggerieren, so der „Standard". Bei existenten Krediten seien die Zinsen auf bis zu 20 Prozent hochgeschraubt worden. Es gebe den Verdacht, es seien Kredite an Kunden ungerechtfertigterweise (ohne Bonität) vergeben worden, die das Geld als Sponsoring dem Fußballclub SV Mattersburg weitergeleitet hätten. „Die Kunden gab und gibt es zwar tatsächlich, die Kredite in Millionenhöhe aber nicht", hatte am Wochenende dazu schon das "profil" geschrieben: „Einige dieser Phantomkredite waren obendrein mit bis zu 20 Prozent Effektivverzinsung versehen, wodurch das Zinsergebnis mehrerer Jahre geschönt worden sein dürfte."

Aufgeflogen sei der Schwindel im Zuge einer turnusmäßigen „Vor-Ort-Prüfung" der Commerzialbank Mattersburg durch die Oesterreichische Nationalbank (OeKB) im Auftrag der Finanzmarktaufsicht (FMA), hieß es im „profil". Die OeNB habe im März mit der Untersuchung begonnen, ehe der Lockdown den Prozess unterbrochen habe. Erst kürzlich, im Juli, sei die Prüfung wieder aufgenommen worden und habe Unglaubliches zutage gefördert.

Der Finanzaufsicht sei heuer im Wege ihrer „Whistleblower-Hotline" ein anonymer Hinweis auf Ungereimtheiten zugegangen. Laut „Standard" soll dieser im Februar auf seltsame Kredite aufmerksam gemacht haben.

Blümel verspricht umfassende Hilfe

Das Finanzministerium habe Regelungen getroffen, um die Kontoinhaber bei der Commerzialbank Mattersburg „zu unterstützen und zu entlasten“, wie es in einer Aussendung am Montag heißt. Zunächst seien auf die Untersagung des Geschäftsbetriebs durch die FMA alle Bankverbindungen, die in der Finanzverwaltung gespeichert waren, gelöscht worden. So sollen mögliche Fehlauszahlungen auf die eingefrorenen Konten vermieden werden.

Etwa 5500 Personen und 720 Betriebe sind laut Finanzministerium betroffen. Für Bezieher der Familienbeihilfe soll der Service der Barauszahlung vorerst über die Post organisiert werden. „Sollte bis zum nächsten Auszahlungstermin der Familienbeihilfe keine geänderte Bankverbindung bekannt gegeben worden sein, können sich alle Familienbeihilfebezieher den Betrag mit der zuvor zugestellten Benachrichtigung der Post bei jeder Postgeschäftsstelle auszahlen lassen“, heißt es in der Aussendung.

Auf Anordnung des Finanzministers Gernot Blümel (ÖVP) sei „sichergestellt, dass es zu keinen Säumnisfolgen für Zahlungen, die jetzt aufgrund der Situation nicht möglich sind, kommt. Bereits laufende Steuerstundungen laufen selbstverständlich weiter.“ Für die Betriebe würden dagegen bereits die „bisher bürokratischen Erleichterungen im Zuge von Covid-19“ greifen.

(APA)