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Müssen Rennradfahrer Rennradfahrer grüßen?

(c) FABRY Clemens
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Mehr als andere Radsportarten animiert das Rennradfahren zur Herausbildung von Gruppenregeln. Man bleibt dabei unter sich.

In einer Facebook-Gruppe für Rennradfahrer mit dem programmatischen Namen „Keine Gnade für die Wade!“ ist vor kurzem eine Diskussion entbrannt: Ein Mitglied hatte sich gewundert, auf einer Ausfahrt mit seinem Sohn in Wien und Umgebung kein einziges Mal zurückgegrüßt worden zu sein. Die Reaktionen reichten von bedauernd bestätigenden „Wien-ist-anders“-Stereotypen bis zum schulterzuckenden „mir doch egal, ich fahre für mich und nicht, um gegrüßt zu werden“.

Warum haben die Radfahrer mit der typischen geduckten Körperhaltung überhaupt diese Erwartungshaltung? Autofahrer grüßen einander doch auch nicht, wenn sie sich begegnen. Nun ja, Rennradler sind da wirklich ein bisschen anders. Rennradfahren ist ein Teamsport und – im Hobbybereich – ein stärkeres Motiv zur gruppen- und identitätsstiftenden Regelbildung als etwa Mountainbiken. So gibt es tatsächlich eine Tradition des Grüßens, ähnlich wie unter Motorradfahrern.

Es zählen nur Rennrad Fahrende

Genau genommen müsste man von (auf den jeweiligen Geräten) Fahrenden sprechen, nicht um Gender-Allergiker zu reizen, sondern weil es wesentlich ist für die Regelhaftigkeit. So wie keiner auf einer Maschine jemanden auf einem Moped grüßt, so bleiben auch die Rennradler grußtechnisch strikt unter sich: Für ein entgegenkommendes Mountainbike wird kein Finger vom Lenker gehoben, kein Hallo gerufen, für ein E-Bike erst recht nicht. Auch wenn der Entgegenkommende ein noch so begeisterter Rennradfahrer sein mag: Das erkennt man nicht, wenn er nicht gerade Rennrad fährt.

Müssen also Rennradfahrende einander grüßen? In der dicht verbauten Stadt oder auf der stark frequentierten Donauinsel wohl kaum. Da hätte es schon was vom Film gewordenen „Crocodile Dundee“, der vom echten in den Großstadt-Dschungel kommend nicht versteht, warum keiner der Wildfremden seinen Gruß erwidert. Und sonst? Freiwillig gern, aber es sollte kein Zwang sein: Was wäre schon von einer vermeintlichen Freundlichkeit zu halten, die nur Gruppendruck entspringt?