Der größte indische Mikrofinanzierer SKS bereitet seinen Börsengang vor. Muhammad Yunus, Mitbegründer des Mikrofinanzgedankens, übt scharfe Kritik: "Das drängt Mikrofinanzierung in die Richtung der Kredithaie".
Der größte indische Mikrofinanzierer SKS bereitet seinen Börsengang vor. Das Unternehmen erhofft sich durch diesen Schritt Einnahmen in Höhe von 354 Millionen Dollar (272 Millionen Euro). Kritiker befürchten nun, dass die Interessen der Anteilnehmer über die der Armen gestellt werden könnten. Andere indische Mikrofinanzierer beobachten die Entscheidung gespannt, ob sie SKS folgen sollen bei dem Versuch, sich die Kapitalmärkte zu erschließen.
Mikrofinanzierer vergeben Kleinstkredite an Arme - im Durchschnitt weniger als 200 Dollar (154 Euro) - damit diese ein eigenes kleines Geschäft eröffnen oder sich anderweitig selbstständig machen können.
"Das gefährdet die ganze Mission"
Einer der schärfsten Kritiker des Börsengangs ist Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, Gründer der Grameen-Bank. "Das drängt Mikrofinanzierung in die Richtung der Kredithaie", sagte Yunus zur Nachrichtenagentur AP.
Yunus ist Mitbegründer des Mikrofinanzgedankens und hat die Idee bereits vor 30 Jahren mit der Grameen-Bank in Bangladesch umgesetzt. Ein Erfolg, der ihm 2006 den Friedensnobelpreis bescherte. Den Börsengang von SKS lehnt er ab: "Das gefährdet die ganze Mission." Die Botschaft von SKS laute, dass man mit Anteilen eines Mikrofinanzierers "Geld mit armen Leuten machen" könne.
"Nur so lässt sich genügend Kapital beschaffen"
Fürsprecher des Börsengangs sagen, nur so ließe sich genügend Kapital beschaffen, um Milliarden Menschen den Zugang zu Krediten zu gewähren, die sie nirgendwo anders erhielten. SKS verfügt bereits heute über mächtige Großaktionäre wie Sequoia Capital und Sandstone Investment oder George Soros.
(Ag.)