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Lockeres Nachwuchs-Cruisen und die Erfüllung eines Klischees

Tiefe Sitzposition, nettes Cruisen – die Fünfhunderter-Rebellin und ihr Fahrer.
Tiefe Sitzposition, nettes Cruisen – die Fünfhunderter-Rebellin und ihr Fahrer.Die Presse/Clemens Fabry
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Die coole Honda CMX 500 Rebel S bietet jedermann und jederfrau das Draufsetzen-und-losfahren-Gefühl.

Wien. So manche wollen es allen recht machen – sie nicht. Die Honda CMX 500 Rebel S versteht sich als Bike für „die jüngere Generation“. Für Fahrer „zwischen 20 und 30 Jahren“, wie die Haus- und Hofschreiber von Honda in der Pressemitteilung vermerken.

Schon klar, PR-Texte sollten mit kühler Distanz gelesen werden. Aber in dem Fall muss man zustimmen. Dieses Motorrad ist für Einsteiger – und zwar für junge Einsteiger – gemacht. Und dementsprechend auch mit A2-Führerschein fahrbar.

Moment. Wer über 30 ist (dies trifft beispielweise auf den Autor dieses Artikels voll und ganz zu) muss jetzt nicht gleich weiterblättern. Die coole (ja, das ist sie mit ihren vielen geschwärzten Komponenten zweifellos), bobbermäßig aussehende Honda verdient es, gewürdigt zu werden.

Immerhin ist sie eines dieser Bikes der Marke „Draufsetzen und losfahren“. Völlig unkompliziert. Mit ihrem stylish reduzierten, zwanglosen Auftreten versteht sie es trefflich, das Freiheitsklischee zu bedienen. Und das ist auch ein Wert. PS-Monster ist sie keines – mit ihren 46 Pferdestärken (34 kW), die sie bei 8500 Umdrehungen ausschöpft. Rennfahren sollte man angesichts eines maximalen Drehmoments von 43,3 Newtonmetern bei 6000 Umdrehungen pro Minute auch nicht unbedingt wollen. Und lange Reisen wird sie mit ihren Dimensionen, dem Elf-Liter-Tank und dem spartanischen Sozius auch eher selten machen. Wobei Letzterer nicht sein muss. Ein Umbau zum Einsitzer ist mit ein bisschen Herumschrauben erledigt.

Aber zum lockeren Cruisen, ohne langes Einfahren, ohne Anstrengung, ist dieses ohne viel Zierrat in die Welt gestellte Bike die richtige Wahl; die mit sehr wenig Handkraft zu bedienende Anti-Hopping-Kupplung trägt das ihrige dazu bei.

Fährt man bei Motorrad-Wetter (wann denn sonst?) und dabei vielleicht mit getöntem Helmvisier und/oder Sonnenbrille, lässt sich das von der Sonne angestrahlte Rund-Display allerdings nur mehr schwer ablesen. Dies müsste natürlich nicht sein.

 

Niederer Sitz, fester Stand

Aber von vorn. Erster Eindruck beim Aufsitzen: Es ist niedrig. Sitzhöhe: 690 Millimeter. Dafür hat man an der Ampel einen sicheren Stand. Die Knie sind eher weit oben (dies könnte vor allem groß gewachsene Fahrer stören).

Der rechte Unterschenkel liegt an einem weit nach außen ragenden Teil des Motors an (es ist die Kupplung). Daran muss man sich erst gewöhnen. Heiß wird es nicht, dafür sorgt eine Plastikverkleidung. Man sitzt relativ aufrecht, und das ist bequem. Den Zündschlüssel steckt man seitlich links an! Der Ab- und Durchzug via Sechs-Gang-Getriebe ist zufriedenstellend, jedenfalls stimmig im Hinblick auf die Möglichkeiten, die der über 471-Kubikzentimeter verfügende Reihen-Zweizylindermotor insgesamt hat. Übrigens: Der Motor kommt von der CBR 500 R.

Das Handling ist einfach, wenn man von Speed-Spitzen und gewagten Schräglagen absieht. Holprige Wege mag die Rebellin auch nicht unbedingt. Alles Bereiche, in die Ungeübte ohnedies nicht kommen sollten.

Also: Die Fünfhunderter ist zwar fett bereift (Dunlop, 130/90-16 vorn, 150/80-16 hinten), ansonsten alles andere als ein massiger Bock. Eher ein schlank wirkendes Zweirad, das mit seinem Stahlrohrrahmen, seinen 191 Kilogramm und seiner LED-Beleuchtung hält, was es Fahrern und Fahrerinnen verspricht. Und der Preis des Low Riders ist auch fair, er liegt bei etwa 7400 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2020)