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Microsoft

Cloud floriert, Aktie fällt

Microsoft ist mit einem Börsenwert von 1,6 Bio. Dollar eine der größten Firmen.
Microsoft ist mit einem Börsenwert von 1,6 Bio. Dollar eine der größten Firmen.APA/AFP/GERARD JULIEN
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Der weltgrößte Softwarekonzern profitiert von der Krise. Doch Anleger haben noch bessere Quartalszahlen erwartet.

Redmond. Auch so können Enttäuschungen aussehen: Microsofts Cloud-Dienst Azure musste sich im abgelaufenen Geschäftsquartal mit einem Umsatzplus von weniger als 50 Prozent begnügen. Der Erlös der Sparte wuchs im Jahresvergleich um nur 47 Prozent. Im ersten Quartal hatte das Plus noch 59 Prozent betragen. Die Aktie gab nach der Präsentation der Quartalszahlen am späten Mittwochabend nach. Seit Jahresbeginn legte sie allerdings um ein Drittel zu und war damit zusammen mit Apple bester Titel im US-amerikanischen Leitindex.

Die Quartalszahlen insgesamt fielen unerwartet gut aus: Der Gesamtumsatz von Microsoft stieg um 13 Prozent auf 38 Milliarden Dollar (33,19 Mrd. Euro) und lag damit über den Expertenerwartungen von 36,5 Milliarden, wie aus Refinitiv-Daten hervorging. Der Nettogewinn fiel zwar von 13,2 Milliarden auf 11,2 Milliarden Dollar, doch auch das lag über den Erwartungen.

Microsoft ist Krisenprofiteur, der Trend zu mehr Home-Office und Digitalisierung spielt ihm in die Hände. Doch gibt es auch Geschäftsbereiche, die unter der Krise leiden: Das Wachstum des Businessnetzwerks LinkedIn wurde gebremst, weil weniger Unternehmen Mitarbeiter suchten. Mit zehn Prozent fiel das Umsatzwachstum unterdurchschnittlich aus. Auch schränken Firmenkunden den einmaligen Kauf von Software ein, wiewohl sie mehr Abonnements für cloudbasierte Versionen von Office kaufen. Diese Einnahmen wirken sich aber erst im Lauf der Zeit positiv für Microsoft aus.

 

Erfolgreicher Wandel

Mit einem Börsenwert von 1,6 Billionen Dollar ist Microsoft eines der größten Unternehmen der Welt. Dabei sah es jahrelang nicht so gut aus: In den Nullerjahren stand der Konzern wegen der Dominanz seines Windows-Betriebssystems unter der Kritik, Monopolist zu sein. Dann verschlief er das Smartphone. Während die Apple-Aktie zwischen 2000 und 2007 ihren Kurs verachtfachte, ging es für Microsoft um ein Drittel nach unten. Im Handygeschäft konnte Microsoft nicht Fuß fassen. Doch dann forcierte der Konzern ein anderes Geschäftsfeld: das Cloud-Geschäft mit IT-Diensten im Internet. Dieses verhalf dem IT-Dinosaurier zu neuem Wachstum: 2015 erreichte die Microsoft-Aktie erstmals seit der Jahrtausendwende wieder ein Rekordhoch, seitdem vervierfachte sie sich fast. (b. l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2020)