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Digitale Transformation

Attraktive Arbeitgeber mit neuen Technologien

Die meisten Technologie-Start-ups werden im Bereich der Softwareentwicklung gegründet, im Bereich Hardware sind es nur sehr wenige.(c) imago images/Westend61 (Andrew Brookes, via www.imago-images.de)
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Die FH Wien analyisierte Digitalisierungskooperationen von etablierten Industrieunternehmen und Technologie-Start-ups – und sieht in der Kombination aus Erprobtem und Neuem große Chancen.

Auch traditionelle Unternehmen können vom Einsatz neuer digitaler Technologien profitieren. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, kann es sich nicht leisten, den Anschluss an die digitale Transformation zu verpassen. Immer wieder suchen Traditionsbetriebe daher innovativen Input von Start-ups.

Forschende der FH Wien der Wirtschaftskammer haben die Zusammenarbeit zwischen etablierten Industrieunternehmen und Technologie-Start-ups in Österreich nun genauer untersucht.

Erstmals in Österreich

„Wir wollten wissen, welche Formen und Ziele solche Kooperationen haben. Was die Erfolgsfaktoren sind und welche langfristigen unternehmerischen Chancen sich dabei ergeben“, erklärt Anne Maria Busch, die Leiterin der Studie. Sie ist Stiftungsprofessorin am Institute for Business Ethics and Sustainable Strategy (Ibes), dem Forschungsinstitut der FH. Busch und ihr Team betreten damit Forschungsneuland, für Österreich liegen zu diesem Thema bislang keine Untersuchungen vor.

Insgesamt 28 Interviews haben die Forschenden für diese Studie geführt: Elf mit Gründern von Start-ups, die sich mit der Entwicklung von Hard- oder Software befassen. Ebenso viele mit Geschäftsführern und Mitarbeitern traditioneller Unternehmen, die seit mehr als zehn Jahren aktiv und in der Sachgüterproduktion tätig sind. Ergänzend wurden sechs Expertinnen und Experten für Unternehmenskooperation befragt, darunter Innovationsberater, eine Juristin und ein Fachmann aus der Bankenbranche. Die untersuchten Start-ups arbeiten überwiegend an der Entwicklung von Software. „Das spiegelt die tatsächliche Gründungssituation in Österreich wider“, erklärt Busch. „Die meisten Technologie-Start-ups werden im Bereich der Softwareentwicklung gegründet, im Bereich Hardware sind es nur sehr wenige.“

Effizienzen steigern

Eines der Industrieunternehmen, das an der Studie teilgenommen hat, stellt Maschinen her. Mit Erfolg zwar, aber die Raumnutzung der Produktionshalle bereitet Probleme. In Zusammenarbeit mit einem Technologie-Start-up wurde eine Software implementiert, mit deren Hilfe die Halle effizient genutzt werden kann. Ein anderes Unternehmen unterzog die produzierten Güter einer manuellen Qualitätsprüfung.

Diese Methode funktioniert, ist aber wenig zukunftsträchtig. Das zurate gezogene Start-up erarbeitete eine digitale Alternative in Form eines mehrstufigen Prüfungsprozesses.

Die Analyse der geführten Interviews ergab fünf zentrale Erfolgsfaktoren derartiger Kooperationsprojekte: Vertrauen, Kooperationskultur, Zielsetzungen, strukturelle Rahmenbedingungen und Kommunikation.

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit steigert die Innovationsfähigkeit etablierter Unternehmen und kann dazu dienen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Ein wesentlicher Vorteil, in Anbetracht der hohen Nachfrage nach Fachkräften.

Aber auch bei der Gewinnung neuer Kunden kann der Beitrag von Technologie-Start-ups helfen. Die Kombination von Altbewährtem und Innovation, von traditioneller Qualität und neuen Ideen hat enormes Potenzial, resümiert die Studienautorin: „Solche Kooperationen sind eine großartige Chance für etablierte Unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die digitale Transformation weiter voranzutreiben.“

LEXIKON

Digitalisierung ist die Umwandlung von Informationen in digitale Formate. Dieser Prozess findet in Unternehmen bereits seit den 1950ern statt.

Die digitale Transformation beschreibt den Wandel von Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmenswelt und umfasst neue Technologien und die Vernetzung aller Lebens- und Gesellschaftsbereiche.

 


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2020)