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Anifer Journalismustage

Zahlen geben Sicherheit, lassen aber Interpretationsspielraum

Ralf-Wolfgang Lothert
Ralf-Wolfgang Lothert(c) Neumayr/ Probst
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Datenorientierung. Unternehmen hätten immer schon Daten gesammelt, sagt Ralf-Wolfgang Lothert. Was sich zuletzt aber verändert habe, sei die Wertschätzung für Daten und sie als Grundlage für unternehmerisches Handeln zu verwenden.

Auf 175 Zettabyte soll die globale Datenflut bis zum Jahr 2025 ansteigen. In Bytes ausgedrückt sieht das so aus: 175.000.000.000.000.000.000.000. Wer mit dieser Zahl nichts anfangen kann, sei beruhigt. Das in der Studie des Marktforschers IDC und Seagate, einem Anbieter von Datenmanagementlösungen, prognostizierte Datenaufkommen ist für das menschliche Auge kaum mehr fassbar – und steht doch für Fortschritt. Journalisten schöpfen aus den immer reicher werdenden Datenschätzen bereits Geschichten, Stichwort Datenjournalismus.

Diesem Thema widmeten sich am vergangenen Wochenende die mittlerweile 7. Anifer Journalismustage, die in Kooperation mit dem Unternehmen JTI Austria ausgerichtet wurden. Die dort gelehrten Programmier-Skills für Datenjournalisten sind für Ralf-Wolfgang Lothert, Head of Corporate Affairs & Communication bei JTI, auch auf unternehmerischer Ebene wichtig. Daten seien „eine wichtige Ressource, vor allem für Planungszwecke“. Deshalb gibt es in seinem, wie in vielen anderen Unternehmen eine Strategic-Insights-Abteilung, die für die Marktanalyse zuständig ist. Aufgabe ist, die Konsumenten und ihre Wünsche zu verstehen und die Planung treffsicher und kosteneffizient zu machen. Um im Idealfall einen Vorsprung vor der Konkurrenz zu haben.

Daten, relativiert Lothert, könnten nicht immer ein komplettes Bild der Gegebenheiten zeichnen – immer bleibe auch ein Interpretationsspielraum. Aber Daten seien die „Basis für faktenorientiertes Handeln“. Allein, an der Umsetzung scheint es in einigen anderen Unternehmen noch zu hapern. Das legt wiederum eine Erhebung von Seagate und IDC nahe: Lediglich 32 Prozent der Daten, die Unternehmen zur Verfügung stehen, werden tatsächlich verwendet, 68 Prozent bleiben ungenutzt.

Daten zu sammeln, sei immer schon eine Tätigkeit von Unternehmen gewesen, betont Lothert: Einerseits öffentlich zugängliche Daten, andererseits firmeninterne und zusätzlich jene aus Kundenbefragungen. Aufgabe war daher schon immer, die Daten zu konsolidieren. „Das ist eine Querschnittsmaterie und erfordert Datenanalysten, Mathematiker, Marketing- und Sales-Mitarbeiter.“

Was sich verändert hat, sei die Wertschätzung für Daten, sagt Lothert, und Daten als Grundlage für unternehmerisches Handeln zu verwenden. Dazu, nämlich zu datenorientierten Entscheidungen, zwingen auch diverse Regularien.

Warum es mit der richtigen Nutzung von Daten dann noch nicht bei allen funktioniert? Vielen Unternehmen falle es schwer, „ihr Tun darzustellen“, beobachtet Lothert – und das könne unterschiedliche Gründe haben: „Sei es der Unternehmensgegenstand an sich, der als zu komplex erachtet wird, oder auch, weil es bisher in manchen Branchen nicht üblich war. Hier ist in den letzten Jahren einiges in Bewegung und Unternehmen versuchen, Transparenz in ihr Auftreten zu bringen, nicht zuletzt, weil Konsumenten, aber vor allem Skeptiker, immer kritischer werden und Informationen geradezu einfordern.“ Wer als Unternehmen mauere, dem werde „schnell unterstellt, etwas zu verheimlichen“.

„Vielfach fehlt Verständnis“

Denn: „Transparenz schafft Vertrauen.“ Umgekehrt sieht Lothert in der Bevölkerung fehlendes Bewusstsein. Das zeige sich im „lockeren Umgang“ mit Social Media und Bonuskarten. Es sei grundsätzlich nichts Schlimmes, Daten preiszugeben, weil man im Gegenzug oft ein höheres Maß an Benutzerfreundlichkeit bekomme. „Vielfach fehlt es aber dennoch am Grundverständnis, was mit den Daten passiert.“


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2020)

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