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Porträt

Mouhanad Khorchide: Die sanfte Stimme des Islam

Er hat eine sympathische Botschaft, doch während Politik und Medien ihn hofieren, ist Mouhanad Khorchide innerislamisch nicht unumstritten.
Er hat eine sympathische Botschaft, doch während Politik und Medien ihn hofieren, ist Mouhanad Khorchide innerislamisch nicht unumstritten.(c) Gordon Welters/laif/picturedesk.com
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Er sieht den Islam als Religion der Barmherzigkeit und stellt sich gegen konservatives Islamverständnis. Damit eckt Mouhanad Khorchide an. Auch bei Österreichs Muslimen.

Seine Stimme passt zu dem, was er sagt. Inhaltlich wurde ihm schon attestiert, so etwas wie die sanfte Stimme des Islam zu sein. Und wenn Mouhanad Khorchide über Gott und den Koran zu reden beginnt, macht er das leise, langsam und bedacht. Denkt man an besonders konservative Prediger, wie man sie oft in den Nachrichten aus der islamischen Welt sieht, mit Vollbart, erhobenem Zeigefinger und aggressivem Tonfall, wirkt er wie ein kompletter Gegenentwurf. Vom gepflegten Aussehen – er selbst kokettiert gern mit seiner Eitelkeit – über den Habitus – er wirkt fast schüchtern – bis zu seiner Botschaft.

Und die ist eine, die wenig damit zu tun hat, wie der Islam in der Öffentlichkeit meist gesehen wird. Er spricht von Islam als Barmherzigkeit gegenüber einer Theologie des Gehorsams, lehnt eine wortgetreue Auslegung des Koran ab und vertritt in seinem jüngsten Buch „Gottes falsche Anwälte“ gar die These, dass die ursprüngliche Intention des Islam pervertiert und die Religion zum Instrument der Unterdrückung gemacht wurde.

Gern wird Khorchide von der Politik als Experte und Role Model herangezogen.



Es sind Worte, die gern gehört werden – von westlicher Seite. Khorchide predigt ein Bild des Islam, wie man ihn gern sehen würde. Friedlich, aufgeklärt – und mit einem fortschrittlichen Frauenbild. Es verwundert also nicht, wenn der Theologe von der Politik als Role Model und Berater geholt wird – zuletzt von Integrationsministerin Susanne Raab, als sie vergangene Woche die Dokumentationsstelle Politischer Islam präsentierte.

Eine Stelle, die ursprünglich zur Erforschung verschiedener Phänomene gedacht war – Antisemitismus, Rassismus und religiöser Extremismus, so stand es im türkis-grünen Regierungsübereinkommen. Die alleinige Fokussierung auf den politischen Islam, sie sorgt für Aufregung. Beim grünen Koalitionspartner, aber auch bei Österreichs Muslimen, die darin ein politisches Werkzeug sehen, um Stimmung gegen Muslime zu machen.

Khorchide hat damit kein Problem. Denn es gebe ja den politischen Islam. Und der sei gefährlich – gefährlicher als Jihadismus und Salafismus, wie er meint. Zwar sei das Auftreten gemäßigt, doch das Ziel am Ende sei dann doch die Einführung der Scharia und letztendlich Unterdrückung.