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Sommer

Den Bauern ist es zu feucht

Symbolbild.
Symbolbild.(c) APA/dpa/Julian Stratenschulte
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Auch für Landwirte ist heuer ein Sommer wie früher. Ausnahmsweise wünschen sie sich jetzt ein paar Tage Trockenheit.

Landwirte haben eine ganz spezielle Beziehung zum Wetter. Hat es doch direkten Einfluss auf ihre Ernte und somit auf ihr Einkommen. Als Laie hat man schnell einmal den Eindruck, dass es für Landwirte nur ein Wetter gibt: das falsche. „Zu trocken, zu wenig Niederschläge, zu heiß“ hieß es in den letzten Jahren oft. Anfang des Jahres, wenn die ersten Obstbäume blühen, machten ihnen Spätfröste zu schaffen (weshalb es heuer kaum Marillen gab). Und dann kommen noch Unwetter, wie Hagel, Überschwemmungen oder Stürme dazu.

Heuer aber kommt Abwechslung ins leidende Verhältnis der Bauern zum Wetter: Es ist zu feucht. In den letzten Wochen haben es Landwirte den Badegästen und Urlaubern gleichgetan und sich über den vielen Regen beklagt. Um die erste Ernte einzufahren, wünschen sich Ackerbauern nichts sehnlicher als eine Woche keinen Niederschlag.

„Ich weiß, als Landwirt darf man nicht über das Wetter jammern, aber es wäre nicht schlecht, wenn es eine Woche oder zehn Tage einmal durchgehend trocken wäre“, sagt Andreas Pfaller, Referatsleiter Pflanzliche Erzeugnisse bei der Landwirtschaftskammer Österreich. Wenn es aber so, wie in den letzten Wochen, alle zwei Tage regnet, ist das etwa für den Weizen schlecht. Der braucht nämlich ob seiner Physiologie gut zwei Tage zum Trocknen. Bei Gerste wiederum geht das ein bisschen schneller. Aber auch da muss es nicht unbedingt zu feucht sein. Sorgt doch der viele Regen dafür, dass das Korn wieder zu keimen beginnt. „Das schadet der Qualität, dann kann man es nur noch als Futtergetreide verwenden.“

Auch für die Landwirtschaft ist der heurige Sommer so wie früher und nicht mit jenen der letzten Jahre vergleichbar. Heuer hatten viele Bauern mit einem extrem trockenen Frühling zu kämpfen. Weshalb man ob der vielen Niederschläge im Sommer nicht undankbar sein möchte, „viele Kulturen haben sich erholt, es ist nicht so schlimm, wie im April befürchtet“, sagt Pfaller. Aber es würde jetzt eben für eine Zeit mit dem Regen reichen, wobei das natürlich von Region zu Region unterschiedlich ist.

Bei den Ackerbauern wurde die Ernte bis jetzt etwa zur Hälfte eingeholt. Wintergerste und Winterraps wurden etwa schon geerntet, Sommergerste, Weizen und Roggen stehen noch bevor. Während Pfaller mit der Ernte der Wintergerste zufrieden ist, bezeichnet er jene von Winterraps als sehr schlecht. Der konnte sich nicht so leicht von der Trockenheit im Frühling erholen. Bei einigen Kulturen hat der viele Regen zu einem Zwiewuchs, wie es in der Fachsprache genannt wird, geführt. Das bedeutet, dass neben vertrocknetem eben auch grünes Korn steht. „Das ist eine Herausforderung bei der Ernte.“