Schnellauswahl

Lebensversicherung: „Nicht zu empfehlen“

Lebensversicherung bdquoNicht empfehlenldquo
(c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com)
  • Drucken

Der Verein für Konsumenteninformation kritisiert, dass die Kosten intransparent und hoch sind. Jeder Österreicher verfügt im Schnitt über rund 1,3 Lebensversicherungen. Der Sparanteil sei zu gering.

wien(nst).Österreich ist ein Nährboden für konservative Anlageformen. Kein Wunder, dass neben dem Bausparvertrag auch Produkte wie Lebensversicherungen boomen. Jeder Österreicher verfügt im Schnitt über rund 1,3Lebensversicherungen. Anders ausgedrückt: Hierzulande gab es im abgelaufenen Jahr mit rund 10,4 Millionen (2008: 10,5 Millionen) abgeschlossenen Verträgen mehr Lebensversicherungen als Einwohner. Doch beliebt, heißt nicht in jedem Fall, dass das Produkt auch hält, was es verspricht, kritisiert der Verein für Konsumenteninformation (VKI).

Der VKI gibt ein Beispiel: Ein 40-jähriger Mann schließt auf die Dauer von 20 Jahren eine Er- und Ablebensversicherung ab. Zu diesem Zweck zahlt er hundert Euro monatlich ein. Am Ende der Laufzeit kommt ein Betrag von 24.000 Euro zusammen.

Die Assekuranzen ziehen von diesem Betrag jedoch Spesen ab. Dazu zählen etwa Provisions- und Verwaltungsgebühren sowie die Versicherungssteuer von vier Prozent. Auch gibt es einen Unterschied zwischen monatlicher und jährlicher Prämieneinzahlung. Mit einer jährlichen Zahlung vermeidet man den sogenannten „Unterjährigkeitszuschlag“.

Der VKI moniert, dass die anfallenden Kosten nicht „nur hoch, sondern auch intransparent sind“, sagt VKI-Geschäftsführer Franz Floss. Lediglich zwei von sieben Assekuranzen hätten dem VKI die Kostenstruktur aufgeschlüsselt. Manfred Baumgartl, Allianz-Vorstand und im Versicherungsverband für Lebensversicherungen zuständig, sagt: „Man muss die Versicherungsbedingungen lesen. Aber wir informieren über Kosten und über das Ergebnis.“

Doch dem nicht genug: Der VKI kritisiert weiters, dass die Assekuranzen nur jenen Betrag veranlagen, der nach Abzug der Spesen übrig bleibt. Im VKI-Beispiel wären dies knapp über 19.000 Euro. „Bloß 80 Prozent des einbezahlten Kapitals werden von der Versicherung veranlagt“, kritisiert der VKI. Am Ende der Laufzeit würde dem Beispiel zufolge ein Betrag zwischen zwischen 22.600 und 23.900 Euro garantiert. Die prognostizierte Auszahlung würde zwischen 27.000 und 30.500 Euro liegen. Die Rendite beträgt damit zwischen 1,15 und 2,33 Prozent, sagt der VKI.

 

Verträge nicht vorzeitig auflösen

Die Assekuranzen schütten zusätzlich zur garantierten Mindestverzinsung auch eine Gewinnbeteiligung aus. Diese würde laut Baumgartl derzeit bei drei bis vier Prozent pro Jahr liegen. Der derzeit garantierte Zinssatz von 2,25 Prozent ist hier schon inkludiert. Wie sich die Gewinnbeteiligung künftig entwickeln wird, ist schwer abzuschätzen, sagt Baumgartl. Und hängt vor allem von der Entwicklung auf den Kapitalmärkten ab.

Doch obwohl der VKI Lebensversicherungen kritisiert, wird von einer vorzeitigen und voreiligen Auflösung des Vertrags abgeraten. Man würde weniger zurückbekommen, als man einbezahlt hat, sagt VKI-Expertin Gabi Kreindl.

Im Schnitt werden Verträge nach sieben Jahren gekündigt. Vielmehr solle man versuchen, seinen Vertrag zu optimieren. „Die, die keine Versicherung abgeschlossen haben, sollen dies auch künftig nicht tun“, sagt Kreindl. Floss fügt hinzu: „Er- und Ablebensversicherungen sind ein Produkt, das man nicht empfehlen kann.“

Eine Alternative hat der VKI aber auch keine parat, und so spielt er den Ball an die Assekuranzen – mit der Forderung, flexible Produkte anzubieten. Baumgartl sagt wiederum: „Unsere Produkte sind flexibel.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2010)