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Gartenkralle

Schokobraune Delikatessen

Die wunderbaren Blätter der Colocasia.
Die wunderbaren Blätter der Colocasia.(c) Ute Woltron
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In diesem Fall dient der Taro nicht, wie in seiner asiatischen Heimat, als Nahrungsmittel, sondern ist eine attraktive Pflanze für Leute mit Fingerspitzengefühl und Experimentierfreude.

Die Gurkenpflanzen schwächeln heuer aus unerfindlichen Gründen. Nicht nur meine, auch die der assoziierten Gärtnerschaft sind nicht das, was Gurken zu dieser spendabelsten Zeit des Jahres sein sollten. Magere Ausbeute, fahles Blattwerk. Zumindest vier Fälle in der näheren Umgebung sind dokumentiert und deshalb war der Weg in die Gärtnerei unumgänglich. Neue Gurkenpflanzen mussten her, sie würden das Problem schnell lösen, schneller jedenfalls als eine neuerliche Anzucht aus Samen. Die Gurkenpflanzen waren ausverkauft, aber, wie das so ist, kehrt der Gärtner so gut wie nie mit leeren Händen aus Pflanzenläden zurück.

Da auch der Wasserfarn in der Seerosentonne nicht so gedeiht, wie er sollte, wurde sicherheitshalber bei dieser Gelegenheit auch ein Abstecher in die Wasserpflanzenabteilung unternommen, und dort stand es, das Pflänzchen langjähriger Träume: Herzförmige Blätter an eleganten langen und vor allem schokobraunen Stielen und ebenso dunklen Blattrippen. Die prächtige, gleichwohl noch kleine Colocasia esculenta, auch Elefantenohr genannt, trat ihre Heimreise an, genau die Pflanze, die im Elefantenohrensemble bisher schmerzlich fehlte.

Die Aronstabgewächse bestechen nicht durch ihre Blüten, die sind eher unscheinbar, doch sie treiben auffällige, teils meterlange Blätter, und wenn sie sich wohlfühlen, sind sie ein prachtvoller Anblick. Der dunklen Variante begegnete ich seinerzeit zum ersten Mal in Indien, wo sie weite Flächen überwuchert. Dass ich damals verabsäumte, einen Ableger einzusacken, bedauerte ich jahrelang, es lag jedoch daran, dass das Areal stets sumpfig und unzugänglich war, und in den Tropen watet man ungern barfuß in stehenden Gewässern herum.

Die anderen Vertreterinnen der Sammlung, beispielsweise eine aufregend zebragestreifte Art, die von den Philippinen stammt, und eine besonders großformatige aus Afrika sowie die hierzulande recht bekannte Alocasia lowii mit dunklen Blättern, doch weißen Blattrippen, vertragen im Gegensatz zu diesem Pflänzchen Staunässe gar nicht. Sie wollen zwar reichlich gegossen werden und benötigen auch regelmäßige Düngergaben, doch lässt man das Substrat zwischendurch nicht zumindest antrocknen, beginnen sie sofort zu schwächeln und es schlägt unweigerlich die Stunde der Spinnmilbe.

Diese Art jedoch benötigt offenbar den Sumpf. In warmen Weltgegenden setzt man sie an Teichränder, wo sie bis zu 150 Zentimeter hoch wächst. Da sie jedoch nicht winterhart ist, kam sie in einen großen Container, die Wurzeln gute zehn Zentimeter unter Wasser, sodass sie im Herbst wieder in die Wohnung getragen werden kann. Es handelt sich um die Sorte „Tea Cup“, und die streckt ihre eleganten Blätter dem Himmel entgegen und bildet sie zu schalenartiger Form aus. Wie das Wannenexperiment ausgehen wird, bleibt abzuwarten. Derweilen hat die Schönheit jedoch binnen einer knappen Woche zwei neue Blätter entrollt, und das nährt meine Hoffnung, sie gut durchzubringen.

In der Literatur herrscht einige Verwirrung über die Taxonomie der großblättrigen Pflanzen, denn worin der Unterschied zwischen Colocasia, Elefantenohr, und Alocasia, Pfeilblatt, besteht, bleibt unerklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um sehr nahe Verwandte und deren jeweilige Sorten, also um Unterstufen innerhalb einer Gattung. Egal. Manche der großen Blattpflanzen, wie die Colocasia esculenta, dienen übrigens als Nahrungsmittel und sind unter dem Namen Taro bekannt.

Ihre Rhizome bekommt man in guten Asia-Läden, und wer ein Experiment wagen will, besorgt sich eine solche Knolle und setzt sie in einen Blumentopf. Es dauert mitunter ein Weilchen, doch die Wurzeln treiben fast immer aus. Das Substrat feucht halten und Geduld bewahren. Der Standort für diese Art sollte möglichst hell sein, doch Achtung, die Pflanze wird riesig und sie benötigt viel Wasser.

Die Taros, Pfeilblätter oder Elefantenohren demonstrieren jedenfalls sehr anschaulich, wie unterschiedlich sich letztlich ganz eng miteinander verwandte Pflanzen im Lauf der Evolution entwickelt haben, und sie sind ein feines Experimentierfeld für Leute mit Fingerspitzengefühl. Denn so ähnlich sie ausschauen, so unterschiedlich sind ihre Pflegebedürfnisse. Was die heurige Gurkenmisere anlangt, sind wir hingegen ratlos. Jetzt muss doch eine neue Generation aus Samen gezogen werden, vielleicht geht sich alles noch aus und demnächst wachsen wieder Gurken im Gemüsegarten. Der Anblick der schokobraunen Blätter, stramm und verheißungsvoll, entschädigt mich derweil jedenfalls vollkommen.