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Studie

Corona bedroht 158.000 Jobs in Europas Textilindustrie

(c) REUTERS (TINGSHU WANG)
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Nach einer aktuellen Studie dürften die Umsätze der europäischen Textil- und Bekleidungshersteller in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie um rund 19 Prozent einbrechen.

Die Folgen der Coronakrise bedrohen nach einer aktuellen Studie des Kreditversicherers Euler Hermes mehr als 150.000 Arbeitsplätze in der europäischen Textil- und Bekleidungsindustrie. Etwa ist der Verlust beim Vorarlberger Wäschehersteller Wolford durch die Coronakrise drei Mal höher, wurde dieser Tage bekannt. Experten sehen in der Krise aber auch eine Chance für die Branche.

"Wir gehen davon aus, dass trotz der zahlreichen Unterstützungsmaßnahmen etwa 13.000 Unternehmen in Europa bis Ende 2021 verschwinden und damit rund 158.000 Jobs in der europäischen Textilindustrie in Gefahr sein dürften", fasste der Deutschland-Chef von Euler Hermes, Ron van het Hof, das Ergebnis zusammen.

Umsätze brechen um 19 Prozent ein

Danach dürften die Umsätze der europäischen Textil- und Bekleidungshersteller in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie um rund 19 Prozent einbrechen. Zwar werde schon im kommenden Jahr der Umsatz der Branche wieder spürbar zunehmen. "An das Vorkrisenniveau dürfte er aber wohl nicht vor 2023 anknüpfen", sagte der Euler-Hermes-Branchenexperte Aurélien Duthoit.

Die Textilindustrie in Deutschland dürfte der Studie zufolge noch mit einem blauen Auge davon kommen. Hier werde der Umsatzeinbruch mit 12 Prozent deutlich geringer ausfallen als etwa in Italien und Frankreich. Die Gründe dafür seien zum einen der wesentlich kürzere und weniger strikte Lockdown und die vergleichsweise schnellere Wiedereröffnung der textilen Einzelhandelsgeschäfte. Zum anderen spiele aber auch der höhere Anteil an industrieller Textilherstellung eine Rolle, betonte der Kreditversicherer. Dadurch sei die Abhängigkeit vom kriselnden Modehandel geringer.

Experte sieht auch eine Chance für die Industrie

Euler Hermes sieht in der Krise allerdings auch eine Chance für die europäische Textil- und Bekleidungsindustrie - wenn es dank des steigenden Umweltbewusstseins und der Folgen der Pandemie gelinge, eine Abkehr vom schnellen Konsum und dem Fast-Fashion-Paradigma einzuleiten, das den Interessen der europäischen Fertigungsindustrie seit jeher vollkommen widerspreche.

Vorbild könne Italien sein, wo die Verbraucher, Einzelhändler und Hersteller entgegen den globalen Trends eine Präferenz für teurere, qualitativ hochwertigere, lokal hergestellte Bekleidung behalten hätten. "Weniger Importe von Kleidung und ein Ersatz durch lokale Herstellung würden der europäischen Textilindustrie spürbar mehr Schwung geben", betonte der Euler-Hermes-Experte Duthoit.

(APA)