Chelsea Clinton: Eine Hochzeit als Staatsaffäre

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PolitAdel Eine Hochzeit Staatsaffaere(c) AP (Elise Amendola)
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Im Frühjahr begann die Gerüchteküche zu brodeln. Um die Hochzeit ihrer Tochter Chelsea betreiben die Clintons eine Geheimniskrämerei. Wichtigste Frage: Wer steht auf der Gästeliste?

Wäre die 30-Jährige bloß eine Post-Graduate-Studentin für Gesundheitspolitik an der Columbia University, würde die Trauung mit einem Investmentbanker allenfalls drei Absätze in den Hochzeitsspalten der Sonntagsbeilage der „New York Times“ füllen. Weil das Einzelkind als Tochter eines Ex-Präsidenten und der amtierenden Außenministerin aber dem US-Politadel entspringt, entzündet die Hochzeit von Chelsea Clinton am Samstag die Fantasie einer ganzen Nation und ist seit Wochen „Talk of the Town“ in Washington und New York.

Spätestens seit den Tagen John F. Kennedys stehen Präsidentenkinder besonders im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Mit der Aufmerksamkeit von Quasi-Verwandten haben die Amerikaner die Pubertät des Teenagers mit der Zahnspange und der roten Lockenpracht im Weißen Haus beobachtet. Sie haben verfolgt, wie sie nach dem Auffliegen der Lewinsky-Affäre ihre Eltern gleichsam als Schlichterin an die Hand nahm; wie sie als College-Studentin im kalifornischen Stanford flügge wurde; und wie sie schließlich an der Seite ihrer Mutter in die Wahlkampfarena trat. Dabei führte sie nach dem Auszug aus dem Weißen Haus ein betont zurückgezogenes Leben.


Schon im vorigen Sommer schwappten Spekulationen über eine Hochzeit Chelseas auf Martha's Vineyard über, die noble Ferieninsel an der Ostküste – Urlaubsdomizil der Clintons wie der Obamas. Aber erst nach Thanksgiving, Ende November, teilte Chelsea ihren Freunden per Rund-E-Mail die Verlobung mit ihrem Jugend- und Studienfreund Marc Mezvinsky mit. Seine heute geschiedenen Eltern, einst demokratische Kongressabgeordnete, galten als Teil des Zirkels der FOB – der „Friends of Bill“. Wegen Betruges saß Ed Mezvinsky später fünf Jahre im Gefängnis.

Im Frühjahr begann die Gerüchteküche zu brodeln. Welches Designerkleid wird die Braut tragen: Oscar de la Renta oder Vera Wang? Wer wird die Trauung vollziehen? Chelsea ist Methodistin, Marc Jude. Vor allem jedoch: Wer darf sich zum erlauchten Kreis der Hochzeitsgäste zählen? Steven Spielberg, Barbra Streisand, Oprah Winfrey, Tony Blair und CNN-Gründer Ted Turner gehören angeblich der handverlesenen Schar der 400 Gäste an. Gerüchte, dass auch Barack Obama zu erwarten sei, entkräftete der Präsident selbst: Er stehe nicht auf der Gästeliste; die Clintons wollten, dass das Brautpaar im Mittelpunkt stehe.

Es wäre ein triftiger Grund, warum die Clintons eine Geheimniskrämerei betreiben, als würde es sich um eine Staatsaffäre handeln. „Meine Lippen sind versiegelt“, sagte Hillary Clinton bei ihrem jüngsten Pakistan-Besuch, ohne ihre Nervosität zu verhehlen. Memos an ihre Mitarbeiter unterzeichnet der bekennende Kontrollfreak schon mal scherzhaft mit dem Kürzel „MOTB“ – „Mother of the Bride“, Brautmutter.

Und auch der Brautvater bereitet sich seit Monaten auf das von den US-Medien als „Hochzeit des Jahres“ hochstilisierte Ereignis vor. Um eine gute Figur abzugeben, wenn er seine Tochter zum Traualtar geleitet, versprach er Chelsea, sieben Kilo abzunehmen – und seiner Frau, die Tränen und Emotionen in Zaum zu halten.


Die Hochzeit ist derart geheimnisumrankt, dass gerade der Termin feststeht. Nicht einmal der Ort ist offiziell fixiert. Inzwischen geht freilich das ganze Land davon aus, dass die Feier in Rhinebeck über die Bühne gehen wird – einem 3000 Einwohner zählenden Städtchen im Hudson Valley, zwei Autostunden nördlich von New York. Wenn nicht alles doch nur ein Ablenkungsmanöver ist. Die Clinton-Hochzeitsgäste erhielten das Aviso, sich im Umkreis von Manhattan aufzuhalten. Per Bus sollen sie in einer Art Rätselrallye zum Ziel geschafft werden – wo sie ihre Handys abzugeben haben.

AUF EINEN BLICK

Chelsea Clinton (30) heiratet morgen, Samstag, ihren langjährigen Freund, den Investmentbanker Marc Mezvinsky (32). Wo, ist offen, vermutet wird: im Städtchen Rhinebeck nördlich von New York.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2010)

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