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London schickt Spanien-Urlauber zurück in die Quarantäne

An der Costa del Sol fallen die Distanz-Schranken.
An der Costa del Sol fallen die Distanz-Schranken.(c) Action Press / picturedesk.com
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Außenminister Dominic Raab wehrt Kritik an schlagartig verfügter Maßnahme ab. Auch Verkehrsminister Shapps ist betroffen.

London. Es geht doch nichts über britisches Understatement. „Es wäre schon nett gewesen, uns ein wenig früher zu warnen“, sagte Sharon Sonntagfrüh bei ihrer Rückkehr aus ihrem Spanien-Urlaub. Nur wenige Stunden zuvor hatte die britische Regierung ab Mitternacht die Wiedereinführung der Quarantänepflicht von 14 Tagen für die Einreise aus Spanien verfügt, nachdem die Zahl der Corona-Neuinfektionen stark gestiegen war.

Spanien ist das beliebteste Reiseland der Briten. Im Vorjahr machten mehr als 18 Millionen Briten zwischen Barcelona und Cádiz Urlaub. „Ich habe meinem Freund eine Überraschungsreise nach Sevilla zum 30. Geburtstag geschenkt“, berichtete die Lehrerin Lois aus Yorkshire der BBC. „Unter diesen Umständen können wir nicht fahren und sind sehr enttäuscht. Wenn wir nach der Rückkehr in die Isolation müssen, sind unsere Jobs in Gefahr.“ Briten, die in Spanien von der Maßnahme überrascht wurden, zeigten sich „schockiert“, „verärgert“, aber auch resigniert. Stuart aus Essex meinte: „Es hat überhaupt keinen Sinn. Aber wir müssen es akzeptieren.“

Die Regierung hatte darauf gesetzt, mit der Wiederzulassung von Direktflügen zu den beliebtesten Urlaubsdestinationen im Süden ein wenig Entspannung in die durch die Coronakrise gereizte Stimmung zu bringen. Außenminister Dominic Raab wies die Kritik der Opposition an dem „chaotischen“ Vorgehen pampig zurück: „Wir werden uns nicht dafür entschuldigen, dass wir rasch und geschlossen gehandelt haben.“

Die Regierung verhängte die Maßnahme, nachdem in Katalonien zuletzt täglich mehr als 900 Fälle von Neuinfektionen verzeichnet worden waren. Dort waren die Strände überfüllt und „social distancing nicht durchführbar“, wie die dortige Polizei erklärte. Es wurde so rasch entschieden, dass auch Verkehrsminister Grant Shapps am falschen Fuß erwischt wurde. „Dass ausgerechnet der Verkehrsminister zu den Betroffenen gehört, hätte man nicht einmal erfinden können“, spottete Labour-Gesundheitssprecher Jonathan Ashworth. „Mehr muss man über diese Regierung nicht mehr sagen.“

Die britische Luftfahrtindustrie reagierte „mit Entsetzen“. Die Urlaubspläne „Tausender Briten werden ins Chaos gestürzt“, warnte British Airways. Der größte britische Reiseveranstalter TUI setzte bis 9. August alle Spanienreisen aus. Die Tourismusbranche verlangte anstelle grober und großflächiger Maßnahmen gezielte Schritte: „Wir befürworten freiwillige Tests bei der Ein- und Ausreise anstelle einer Quarantäne für alle.“