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Epidemie

Der Aufstand der Weißkittel in Serbien

Serbiens Ärzte wollen nicht mehr länger schweigen.
Serbiens Ärzte wollen nicht mehr länger schweigen.(c) REUTERS (MARKO DJURICA)
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Immer mehr Ärzte fordern die Ablösung des Krisenstabs.

Belgrad. Serbiens Ärzte wollen nicht mehr länger schweigen. 2400 Mediziner – rund ein Zehntel der Ärzteschaft im Balkanstaat – haben mittlerweile einen Aufruf unterzeichnet, der die Ablösung des Krisenstabs und unabhängige Ermittlungen wegen des Verdachts der vorsätzlichen Vertuschung der Infektionszahlen fordert. „Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, weil wir keine andere Lösung für die Gesundheitskatastrophe sehen, in der sich unser Staat befindet.“

Der Aufruf der Ärzteinitiative „Vereint gegen Covid“ wirft dem Krisenstab vor, unter dem Druck der Politik zur Durchführung der Parlamentswahl Ende Juni die Vorsichtsmaßnahmen „völlig aufgegeben“, Kundgebungen und Sportveranstaltungen wieder genehmigt und die Kontrolle über die Epidemie verloren zu haben. „Der Hippokrates-Eid und die Ethik veranlassen uns, auf die Probleme hinzuweisen.“

 

Attacke auf Vučić

Die Verantwortlichen reagierten sauer. Unter den Unterzeichnern würden sich keine Fachleute befinden, zweifelt die Krisenstabsepidemiologin Darija Kisić Tepavcević deren Kompetenz an. Die „Attacken“ der Ärzteinitiative seien nicht gegen den Krisenstab, sondern gegen Präsident Aleksandar Vučić und „die gesamte Regierung“ gerichtet, erregt sich die geschäftsführende Regierungschefin Ana Brnabić. Von einem „Austoben gegen die Besten“, spricht Vučić genervt.

Über erste Strafversetzungen von Unterzeichnern des Aufrufs berichtete indessen bereits die Zeitung „Danas“. Die Belgrader Gynäkologische Klinik habe sie ohne Angaben von Gründen wissen lassen, dass sie ihr Büro zu räumen habe, sie in eine andere Abteilung versetzt und keine Operationen mehr vornehmen werde, so die Chirurgin Sasa Ljustina. Die exemplarischen Sanktionen dürften den Aderlass unter den Ärzten in die Emigration noch beschleunigen. Die Chirurgin kündigte an: „Bei der ersten Gelegenheit werde ich ins Ausland gehen. Und so denken viele meiner Kollegen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2020)