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Jugendliche "spreaden", Schulschließungen waren effektiver als alles andere

CORONAVIRUS - SCHULEN IN O� VOR NEUERLICHER SCHLIESSUNG
CORONAVIRUS - SCHULEN IN O� VOR NEUERLICHER SCHLIESSUNG(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Die durch die Schulen befeuerte zweite Welle wird Opfer fordern und die Wirtschaft erst recht erdrücken, meint ein Leser.

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Die renommierten Zeitschriften "Nature" und "Science" stellen u. a. anhand einer Studie in Südkorea mit 65.000 Probanden fest: Jugendliche "spreaden" sehr wohl, aufgrund ihrer regen sozialen Kontakte teils heftiger als Erwachsene. Die Empfehlung lautet daher, möglichst kleine Gruppen zu bilden, die Oberstufen primär online zu unterrichten und jedenfalls die Maskenpflicht im (!) Unterricht einzuführen, um die Aerosolproduktion hintanzuhalten. Vor allem aber gilt es die Zahl der Infizierten und den R-Wert zu drücken - und hier kommen Wissenschaftler der Universität Oxford in einer 41 Länder umfassenden Studie zur Wirksamkeit der Coronamaßnahmen zum Ergebnis, dass Schulschließungen effektiver als alles andere waren. Sie senkten den Reproduktionswert R im Schnitt um 50 Prozent, unabhängig von der Kombination mit anderen Maßnahmen.

Offenbar hat die Regierung keine dieser evidenzbasierten Maßnahmen präventiv im Herbst vor. Minister Faßmann, der in puncto Ansteckungsgefahr nie zwischen kleinen Kindern und Jugendlichen differenziert, hat sich ja eher durch das Abschaffen der Masken und die Wiedereinführung des Gesangsunterrichts profiliert - obwohl fast jedes Superspreader-Event auf gemeinsames Singen zurückgeht.

Die durch die Schulen befeuerte zweite Welle wird Opfer fordern und die Wirtschaft erst recht erdrücken. Man hätte aus der Spanischen Grippe auch lernen können, dass gerade jene Länder die Pandemie gut überstanden, die Maßnahmen länger durchhielten und vorausschauend dachten.

MMag. Gerald Weigl, 3500 Krems