Noire et Blanche, 1926
"Dunkle Kontinente"

Salzburger Festspiele: Eine Fotografie-Ikone und ihre aktuelle Brisanz

Wie eine ihrer zeitlosen Schönheit wegen als visuelles Motto ausgesuchte Fotografie-Ikone durch den Weltenlauf wieder Brisanz erlangte: Man Rays „Noire et Blanche“ (1926), das auch groß am Festspielhaus hängt.

Es ist schon beeindruckend, fast visionär, wie das bereits voriges Jahr ausgesuchte Werbesujet der 100. Salzburger Festspiele heute gleich mehrere Debatten unserer Zeit zu bündeln vermag. Man Rays historische Fotografie „Noire et Blanche“, also „Schwarz und Weiß“, von 1926, eine Ikone der Fotografiegeschichte, prägt derzeit Salzburg, prangt auf Programmen, Plakaten, Foldern des Festivals, ist auch riesig am Festspielhaus selbst plakatiert. In seiner Negativform wohlgemerkt.

Die Wahl dieses Werks ist recht sophisticated. Besteht es doch, was weniger bekannt ist, aus zwei Teilen: Auf einem sieht man den zur Seite gelegten Kopf einer nackten, schlafenden, weißen Frau, die wie unbewusst neben sich eine stehende, glänzend schwarze Maske von der Elfenbeinküste hält. In einer zweiten Version hat Man Ray, der mit seinem Freund Marcel Duchamp erfindungsreichste und trickreichste unter den Surrealisten, das Sujet dann farblich umgekehrt, mittels des damals in künstlerischen Zusammenhängen innovativen Negativverfahrens: Die Weiße erscheint danach schwarz, die schwarze Maske weiß. Man könnte interpretieren: Die Gegensätze bleiben, stellen sich allerdings als eine Frage der Belichtung, der Betrachtung dar.