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18 Filme im Wettbewerb

Filmfestival Venedig: Ein Wettbewerb im Corona-Modus

Mala Emde spielt im deutschen Antifa-Drama „Und morgen die ganze Welt“ neben österreichischen Schauspielern.(c) Seven Elephants/Oliver Wolff
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Die Filmfestspiele in Venedig finden „normal“ statt - fast. Österreich ist mit einer Koproduktion und einigen Schauspielern im Rennen um die Goldenen Löwen vertreten.

Das Festivalprogramm von Venedig wurde heuer mit besonderer Neugier erwartet: Die Filmfestspiele sind die ersten nach dem Lockdown, die annähernd „normal“ stattfinden sollen – also nicht virtuell, sondern ganz physisch, wenn auch den Umständen angepasst: Der traditionelle Star-Rummel wird deutlich kleiner ausfallen, am roten Teppich gelten Abstandsregeln, die Zahl der Filme ist leicht reduziert – und wo zuletzt immer mehr Hollywood-Produktionen ihre Premieren hatten, liegt der Fokus im Wettbewerb heuer klar im Bereich des internationalen Arthouse-Kinos.

18 Filme rittern von 2. bis 12. September um den Goldenen Löwen – wobei sich das Programm noch erweitern könnte. Österreich ist durch Mitwirkende in zwei Wettbewerbsfilmen vertreten: In „Quo Vadis, Aida?“ zeichnet die bosnische Regisseurin Jasmila Žbanić präzise nach, wie es zum Genozid in Srebrenica kam; an der europäischen Koproduktion war auch die österreichische Coop99 beteiligt. Aus Deutschland kommt das Antifa-Drama „Und morgen die ganze Welt“ von Julia von Heinz („Ich bin dann mal weg“), in dem zwei österreichische Darsteller zu sehen sind: Noah Saavedra, bekannt unter anderem aus „Egon Schiele – Tod und Mädchen“, und Andreas Lust („Schnell ermittelt“, „Die Einsiedler“).

Nur ein Film mit „Oscar-Potenzial“

Vier Italiener sind im Wettbewerb, darunter Berlinale-Sieger Gianfranco Rosi mit der Syrien-Kriegsdoku „Notturno. Aus Israel kommt Amos Gitais „Laila in Haifa“, gedreht in einer Bar, in der sich Israelis und Palästinenser treffen, aus dem Iran Majid Majidis „Sun children“ über Kinderarbeit. Zwei US-Filme sind im Rennen, Mona Fastvolds „The World to Come“ mit Casey Affleck und „Nomadland“ von Chloé Zhao mit Frances McDormand (die nicht anreisen will) – laut Festivaldirektor Alberto Barbera ein Drama mit „Oscar-Potenzial“. Solche Filme präsentiert Venedig stets gern, man denke an den Vorjahres-Gewinnerfilm „Joker“. Heuer fehlen „einige spektakuläre Filme“, weil Hollywood Produktionen zurückhält, während die Krise in den USA anhält.

Außer Konkurrenz laufen u. a. „Shoemaker of Dreams“, eine Doku über den Designer Salvatore Ferragamo, von Luca Guadagnino („Call Me by Your Name“); „City Hall“ vom Dokuveteranen Frederick Wiseman unddas Biopic „Greta“ – über die Klima-Aktivistin.[QN3FC]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2020)