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Management

Als Marktführer ausnahmsweise nicht scheitern

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Kolumne "Hirt on Management": Folge 130. Wie Sie ihr Unternehmen neu erfinden, obwohl es Tonnen von Ballast mitschleppt – Teil 2.

Erfolgreiche Strategien gegen disruptive Technologien und Wettbewerber

Als sehr wichtig hat es sich erwiesen, die neue Technologie in einer eigenen, autonomen Geschäftseinheit zu entwickeln.

Diese sollte über alle wichtigen Elemente der Wertschöpfungskette selbstständig verfügen und nicht auf die Stammorganisation zurückgreifen müssen.

Das bedeutet, dass die Einheit über eigene Forschung & Entwicklung, eigene Produktion, eigenes Marketing, eigenen Vertrieb usw. verfügt.

Kein zwingender Zugriff auf die Stammorganisation

Sie sollte dabei auf Ressourcen und Mitarbeiter der Stammorganisation zugreifen können, aber nicht gezwungen sein, die Prozesse und Werte der Stammorganisation zu übernehmen, sondern muss ihre eigenen Prozesse und Werte finden und leben können.

Außerdem sollte es auch möglich sein, bei allen Stabsstellen vollkommen selbstständig zu sein, beziehungsweise auf externe Dienstleister zurückgreifen zu können, also nicht gezwungen zu sein, auf die internen Stabsstellen der Stammorganisation zurückzugreifen.

Eigenes Belohnungssystem

Die neue Einheit sollte über ein eigenes Belohnungssystem verfügen, und nicht in das Belohnungsmodell der Stammorganisation hinein gezwängt werden, weil die neue Einheit am Anfang ganz andere Arten von Fortschritten und Ergebnissen (und meist auch viel kleinere) erzielt und es keinen Sinn ergibt, einen schlauen Jungfuchs am Belohnungssystem für einen jahrelang austrainierten Zirkuselefanten zu messen.

Eigener Vertrieb

Der eigene Vertrieb ist deshalb so wichtig, weil es in den allermeisten Fällen so ist, dass die neue, disruptive Technologie mit/für neue Kunden, beziehungsweise neue Ansprechpartner beim Kunden, als diejenigen der Stammorganisation, entwickelt werden müssen.

Freier Wettbewerb

Die neue Organisation muss frei sein mit der Stammorganisation in Konkurrenz zu treten und ihr auch Kunden abspenstig zu machen.

Scheitern erlaubt

Die neue Einheit muss auch (mehrmals) scheitern und sich wieder neu erfinden dürfen, ohne gleich geschlossen zu werden. In der Sprache der modernen Startups nennt man das einen Pivot.

Ist das effizient?

Hört sich alles nicht sehr effizient an, praktisch eine Paralellorganisation aufzubauen, um die neue Technologie In den Markt zu bringen.

Nein, aber effektiv!

Das hat sich aber als der vielversprechendste Weg zum gewünschten Ergebnis, nämlich der Fortsetzung der Marktführerschaft und des Erfolges, erwiesen. Also nicht sehr effizient, aber effektiv.

Scheitern am internen Hick-Hack

Denn sonst scheitert die neue Einheit meist gar nicht am Markt oder Wettbewerb, sondern am Hick-Hack mit der übermächtigen Stammorganisation.

 

Das Wichtigste in Kürze

Die erfolgreiche Strategie bei disruptiven Technologien und neuen Wettbewerber ist, die neue Technologie in einer eigenen, autonomen Geschäftseinheit zu entwickeln. Diese sollte über alle wichtigen Elemente der Wertschöpfungskette selbstständig verfügen und nicht auf die Stammorganisation zurückgreifen müssen (aber, bei Bedarf, können).

 

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns damit, was Managerinnen und Manager aus der Geschichte Roms lernen können.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

 

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns damit, warum es für marktführende Unternehmen oft so schwierig ist, neue Technologien und neue Arbeitsweisen einzuführen und wie man es trotzdem schaffen kann.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.