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Kayiko: "Mode hat sehr viel mit positiver Stimmung zu tun"

Porträt: Karin Oèbster
Porträt: Karin OèbsterMischa Nawrata
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Warum die Lust auf Farbe gestiegen ist, die Stammkunden aber zurückhaltend einkaufen, erzählt Karin Oèbster vom Label Kayiko.

1998 gründete Karin Oèbster ihr Label Kayiko. Inspiriert wird die Designerin dabei von Momentaufnahmen ihres Lebens. Bei der Produktion legt sie besonderen Wert auf die Verwendung qualitativ hochwertiger Materialien und die nachhaltige Erzeugung.

Wie gehen Sie mit der derzeitigen Situation um? 

Einerseits gelassen, weil ich die äußeren Umstände nicht ändern kann. Andererseits lösungsorientiert, weil ich sowieso schon mitten in der Arbeit, also eigentlich bereits im Finale, für meine neue Kollektion stehe. Wir fotografieren Anfang August und werden statt der gewohnten Show auf der MQ Vienna Fashion Week diesmal die Kollektion in einem eigenen Video präsentieren.

Modell der Frühjahr/Sommer Kollektion 2020
Modell der Frühjahr/Sommer Kollektion 2020(c) Marina Cubela; Oliver Feistmantl (Mischa Nawrata)

Wie kann es in der Mode weitergehen, was wird sich Ihrer Meinung nach verändern?

Ohne Veränderung wird es nicht gehen. Die meisten Labels sind dabei, den Modewahnsinn wieder in normale und für alle Beteiligten verträgliche Bahnen zu bringen. Fast alles davon ist bei Kayiko seit Beginn eine Selbstverständlichkeit. Zwei Kollektionen im Jahr sind völlig ausreichend. Überproduktionen werden nicht mehr stattfinden. Limitierung und Qualität statt Masse ist angesagt. Die Arbeitsbedingungen werden sich (hoffentlich) verbessern – Modern Day Slavery abzuschaffen, macht sich im Verkaufspreis kaum bemerkbar. Nachhaltigkeit heißt neben umweltfreundlicher Rohstoffproduktion auch vermehrt Produktion vor Ort und darf nicht mehr als Marketingmäntelchen missbraucht werden.

Können Sie schon abschätzen, wie sich die Situation entwickelt? Wie steht es um Öffnungszeiten, Umsatz, Kundenzuspruch?

Bisher konnte ich meine Kunden immer gut einschätzen. Seit dem Shutdown habe ich das Gefühl, gar nichts mehr einschätzen zu können. Ich lasse vieles auf mich zukommen. Ab Herbst werde ich wieder die normalen Öffnungszeiten einhalten. Nachdem das Betreten des Geschäfts wieder erlaubt war, habe ich Kunden nur nach Voranmeldung empfangen. Ab Juni habe ich dann mit reduzierten Öffnungszeiten gearbeitet. Im August haben wir sowieso jedes Jahr geschlossen. Natürlich gab es auch bei mir Umsatzeinbußen. Da ich im Normalbetrieb auch während der Saison laufend neue Modelle entwerfe und produziere, habe ich die Investitionen aber gut steuern können.

Die Wiener gehen jetzt vermehrt auf Entdeckungsreise in der eigenen Stadt und entdecken mein Geschäft. Die Stammkunden haben dafür eher verhalten eingekauft. Die Lust, etwas Schönes zu kaufen, ist meiner Beobachtung nach stark zurückgegangen. Ich führe das darauf zurück, dass meine Kunden durch den eingeschränkten Kulturbetrieb aus ihrem gewohnten Lebensrhythmus gerissen wurden. Meine Kunden aus Deutschland und der Schweiz haben dafür so eingekauft, als gäbe es keine Krise.

Was wird besonders gern gekauft?

Unikate und Sonderanfertigungen sind besonders gefragt. Ich habe aber auch einige Kunden, die seit Jahren den gleichen Schnitt in den aktuellen Stoffen bestellen.

Model der aktuellen Frühjahr/Sommerkollektion
Model der aktuellen Frühjahr/Sommerkollektion(c) Marina Cubela; Oliver Feistmantl (Mischa Nawrata)

Interessant ist, dass ich immer auf Farbe angesprochen werde. Meine Kollektionen sind ja in erster Linie schwarz, grau und weiß. Also bringe ich jede Saison eine Farbe ins Spiel – im Herbst wird es Rot sein. Lustigerweise werden dann erst wieder die schwarz-weißen und nicht die bunten Teile gekauft. Obwohl ich schon merke, dass durch die Situation die Lust auf Farbe gestiegen sein dürfte.

Welche Art von Unterstützung würde Ihnen jetzt besonders helfen, bekommen Sie Unterstützung aus einem der Hilfsfonds?

Grundsätzlich wäre es uns alle hilfreich, wenn die Regierung mit optimistischen Tönen kommuniziert. Laufende Verunsicherung hebt nicht gerade die Stimmung der Menschen. Und gerade Mode hat sehr viel mit positiver Stimmung zu tun.

Ein riesiges Dankeschön geht an unsere Vermieterin, die uns bei der Miete großzügig geholfen hat. Unterstützung haben wir auch vom AMS über die Kurzarbeit erhalten. Außerdem haben wir über die Wirtschaftsagentur Wien eine Förderung für die Erstellung unseres Webshops erhalten. Er geht in den nächsten Tagen online.

Kann die Krise auch eine Chance für eine positive Entwicklung darstellen? Wie könnte dies aussehen?

Ich bin noch skeptisch. Es zeichnen sich zwar einige Trends ab, mehr in nachhaltige Geschäftsmodelle zu investieren. Ich fürchte auf der anderen Seite, dass es letztendlich wieder nur darum geht, wie und wo das meiste Geld zu verdienen ist, also Gewinnmaximierung auf Kosten der Menschen, die die Kleidung herstellen.

Mit der Krise wurde die Hype-Gesellschaft stark eingebremst. Der Drang zum schnellen Hype wird sich, glaube ich, aber erst mit einer längeren Ruhephase beruhigen. Auf jeden Fall ist es Zeit und hat man Zeit, mehr über Ziele nachzudenken.

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