Schnellauswahl
Söldner-Affäre

Verhaftete Russen: Minsk erhebt Terror-Vorwürfe gegen mutmaßliche Söldner

In Weißrussland wurden mehr als 30 Russen festgenommen. Die Regierung in Minsk glaubt, dass sie der russischen Privat-Armee Wagner angehören und die Lage zwei Wochen vor der Präsidentenwahl „destabilisieren“ sollten. Moskau dementiert.

Minsk/Moskau. Minsk hat am Donnerstag schwere Vorwürfe gegen die tags zuvor mehr als 30 festgenommenen Russen erhoben: Sie sollen Terror-Angriffe auf belarussischem Boden vorbereitet haben. Das sind ernste Anschuldigungen, die darauf hindeuten, dass Minsk die Russen so bald nicht freilassen wird. Knapp zehn Tage vor der belarussischen Präsidentenwahl dürfte die Söldner-Affäre das angeschlagene Verhältnis zwischen Minsk und Moskau weiter verschlechtern.

Wie die staatliche belarussische Nachrichtenagentur Belta am Mittwoch berichtete, wurden in der Nähe von Minsk 32 Russen festgenommen. Ein weiterer Mann wurde in einer anderen Region des Landes verhaftet. Sie sollen Mitglieder der russischen Söldnertruppe Wagner sein. Sie wird Kreml-nahen Kreisen zugerechnet und soll laut Berichten bisher in Syrien, Libyen und im Sudan zum Einsatz gekommen sein.

Nach den Angaben von Belta sollen mehr als 200 Mitglieder der Privatarmee in der Nacht auf 25. Juli nach Belarus eingereist sein, um die Lage vor der Wahl zu „destabilisieren“. Zunächst hätten sie sich in einem Hotel in Minsk aufgehalten, danach seien sie in ein Sanatorium nahe der Hauptstadt umgezogen. Dazu hieß es, die Männer hätten durch ihre Militärkleidung Aufsehen erregt, keinen Alkohol getrunken und die Umgebung erkundet. Belta veröffentlichte eine Liste mit Namen. Das Staats-Fernsehen präsentierte Bilder von der mutmaßlichen Festnahme, wo zu sehen ist, wie Einsatzkräfte des belarussischen KGB die Zimmer stürmen und die Männer im Schlaf überraschen.

Russland bestreitet, das Nachbarland destabilisieren zu wollen. "Das ist eindeutig nicht der Fall, Russland und Weißrussland sind Verbündete", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau. 

Donbass-Kämpfer unter den Festgenommenen

Der Schriftsteller Sachar Prilepin, der bis vor kurzem Kommandant eines Separatisten-Bataillons im Donbass war, will unter den Festgenommenen seine Kämpfe erkannt haben. Auch auf ukrainischen Webseiten, die  biografische Details gegnerischer Kämpfer veröffentlichen, wurden mehrere der Festgenommenen identifiziert. Russland verlangte von Belarus Aufklärung über die Festnahme.

Präsident Alexander Lukaschenko berief nach der Verhaftung den Nationalen Sicherheitsrat ein. Am Donnerstag wurden alle Präsidentschaftskandidaten außer der Amtsinhaber in der Zentralen Wahlkommission einbestellt. Womöglich drohen nun Einschränkungen in der Wahlkampagne.

An Spekulationen über den Hintergrund der Affäre mangelt es nicht: Laut Radio Swoboda könnten die Männer in den Sudan unterwegs gewesen sein. Mitgeführtes Gepäck deutete darauf hin: In den TV-Aufnahmen waren sudanesische Banknoten sowie Broschüren mit arabischer Schrift zu sehen. Weiters kursierte die Version, dass Moskau im Falle einer Destabilisierung des Nachbarn nach dem Wahlabend mit Einsatzkräften vor Ort sein wolle. Andere halten überhaupt eine Inszenierung des autoritären Staatschefs Lukaschenko für möglich, um kurz vor der für ihn kritischen Wahl ein Klima der Angst zu säen. Lukaschenko hatte vor einer „Verschwörung“ ausländischer Kräfte gewarnt und zuletzt sogar die Gefahr von ausländischen Söldnern in Belarus beschworen. Wie auch immer: Die Aktion könnte ihm zupass kommen.