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Statue

Kniet da Japans Premier vor einer Zwangsprostituierten?

Statue symbolizing Japanese PM Shinzo Abe taking a deep bow to ´comfort woman´ is pictured at Korea Botanic Garden in Pyeongchang
"Ewige Abbitte" heißt die Skupltur(c) REUTERS (DAEWOUNG KIM)
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Ein Kunstwerk in Südkorea zeigt zwei Figuren: eine „Trostfrau“ und einen Mann, der dem japanischen Premier Shinzo Abe ähnelt. Die Statue lässt einen schwelenden Konflikt wieder aufflackern.

Ähnelt eine Statue absichtlich dem japanischen Premier Shino Abe oder nicht? Das ist die Kernfrage in einem Streit um ein Kunstwerk zwischen Japan und Südkorea. In einem privaten botanischen Garten in Südkorea wurden zwei Bronzestatuen aufgestellt, eine sitzende Frau und ein vor ihr kniender Mann. Die Frau symbolisiert die euphemistisch genannten „Trostfrauen“ aus Korea, die in japanischen Soldatenbordellen im Zweiten Weltkrieg zur Prostitution gezwungen wurden. In der Figur des Mannes kann man eine Ähnlichkeit mit Abe erkennen. „Immerwährende Abbitte“ heißt das Kunstwerk.

Die Ähnlichkeit sei unabsichtlich entstanden, sagte Kim Chang-ryeol, der Betreiber des botanischen Gartens, dem „Guardian“ zufolge. In einer südkoreanischen Zeitung hört sich das weniger eindeutig an. „Der Mann könnte Abe sein oder auch nicht“, sagte Kim dort. „Er verkörpert jeden Mann in einer verantwortungsvollen Position, der sich bei den Opfern der Sexsklaverei entschuldigen könnte, jetzt oder in Zukunft. Es könnte sich sogar um den Vater des Mädchens handeln. Darum heißt die Statue auch Ewige Abbitte.“ Der Schöpfer der Statue blieb bisher anonym. Es soll sich um eine Bildhauer aus der Gegend des Parks handeln.

A pair of bronze statues of a man resembling Japanese Prime Minister Abe bowing before a wartime sexual slavery victim,
Hat sich der Bildhauer an Shinzo Abe orientiert?(c) imago images/AFLO (Lee Jae-Won via www.imago-images)

„Unvergeblicher“ Protokollbruch

Auf diplomatischer Ebene sorgt das Werk für Verstimmungen. Abes Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga sagte, wenn die Gerüchte über die Statue stimmen, wäre das ein „unvergeblicher“ Protokollbruch. Das hätte große Auswirkungen auf das Verhältnis der beiden Länder.

Die Regierung Südkoreas hat sich von dem Kunstwerk distanziert. Ein Sprecher des Außenministerium sagte, man solle Höflichkeit gegenüber Staatsoberhäuptern anderer Länder zeigen, wollte sich aber nicht festlegen, ob damit auch Privatpersonen gemeint seien.

Bis zu 200.000 Frauen zur Prostitution gezwungen

Die „Trostfrauen“ sind seit Jahren ein höchst kontroverses Thema zwischen Japan und Südkorea. Nach Schätzungen von Historikern wurden im Zweiten Weltkrieg bis zu 200.000 Frauen, vor allem aus Korea und China, gezwungen, Soldaten der japanischen Kaiserarmee in Frontbordellen zu Diensten zu sein. Korea war von 1910 bis 1945 eine japanische Kolonie.

Der Streit war jahrelang eines der größten Hindernisse in den bilateralen Beziehungen zwischen Japan und Südkorea. Ende 2015 hatten sich dann die konservative Vorgängerregierung in Südkorea unter Präsidentin Park Geun-hye und die Regierung Japans auf ein Abkommen geeinigt, das „endgültig und unwiderruflich“ sein sollte. Japan stellte rund eine Milliarde Yen (heute etwa 8,2 Millionen Euro) für einen neuen Fonds zur Unterstützung der Opfer bereit.

Opfer sowie Familien von Überlebenden oder verstorbenen Opfern hatten gegen das Abkommen protestiert. Im November 2018 gab Südkoreas Familienministerium bekannt, die von Japan finanzierte Stiftung für die Opfer werde aufgelöst.

(her/APA/dpa)