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Fahrbericht

E-Mobilität zum Diskontpreis

Klein, umweltfreundlich und sparsam: die elektrische Version des VW Up.
Klein, umweltfreundlich und sparsam: die elektrische Version des VW Up.Die Presse/Clemens Fabry
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Die meisten Elektroautos sind wegen ihres Akkus relativ teuer. VW aber bietet mit dem Up elektrische Mobilität fürs Volk an, dafür muss man freilich Abstriche in Kauf nehmen.

Wien. Wir sind ja große Freunde des Elektroautos. Nicht nur der Umwelt und des Klimas zuliebe (wenn man den reinen Betrieb berechnet, weniger die Gewinnung der Rohstoffe für den Akku), sondern auch wegen des Fahrgefühls. Nach einer Ausfahrt mit dem vollelektrischen Porsche Taycan verliert ein 911er stark an Attraktivität.

Allein, Elektromobilität ist derzeit keine billige Sache. Für den Preis eines Taycan Turbo könnte man beispielsweise zwei Porsche Cayman Einstiegsmodelle erwerben. Sogar der schnuckelige e-Honda, gerade einmal 3,9 Meter lang mit einer Reichweite von 200 Kilometern, kostet ab 37.990 Euro (ohne staatliche Förderung). Dafür bekäme man schon ein ordentliches Auto, mit dem man mehr als 700 Kilometer fahren kann und das Platz für eine Familie, Hund, Katz und etwas Gepäck hat.

Renault hat den Preis seiner beliebten Zoe gedrückt, in dem man die Batterie zur Miete anbietet. Der Einstiegspreis liegt dennoch bei 22.390 Euro (ohne Förderung). Und damit sind wir schon beim VW e-Up: Denn um 200 Euro mehr bekommt man bei Volkswagen das Auto samt Batterie.

Hinten keine Fensterheber

Günstiger als mit dem e-Up kann man derzeit nicht elektrisch Auto fahren. Die elektrische Version des Stadtflitzers beginnt bei 22.590 Euro, zieht man die aktuelle staatliche Förderung von 5000 Euro ab, sind das 17.590 Euro – ein echter Diskontpreis für ein E-Auto.

VW hat freilich auch alles getan, um den Preis zu drücken. Kein raffiniertes, ausgefallenes Design unterscheidet die Elektro- von der Verbrennerversion, beide sind äußerlich weitgehend ident. Den Elektromotor startet man sogar ganz klassisch mit einem Zündschlüssel, den man im Schloss umdrehen muss – ein geradezu liebevoller Anachronismus.

Fensterheber bei den Hintersitzen? Fehlanzeige. Die Fenster in der zweiten Reihe kann man nur seitlich aufklappen (nein, vorn muss man nicht kurbeln, der Fensterheber funktioniert elektrisch). VW hat auch beim Lenkrad gespart. Man nahm die gebräuchliche Version, die unter anderem eine Taste für die Sprachsteuerung hat. Nur: Der elektrische Up hat keine Sprachsteuerung, die Taste ist also ohne Funktion.

Stört es? Nein. Denn schon nach wenigen Tagen ist man infiziert von der typischen Elektroautofahrerkrankheit: Man versucht, möglichst sparsam unterwegs zu sein. Deswegen blieb in unserem Test auch die Klimaanlage die meiste Zeit ausgeschaltet (nicht dass man sie in diesem Sommer bisher wirklich gebraucht hätte), wir beschleunigten sanft, mieden die Autobahn, ließen das Auto primär durch Rekuperation bremsen und schalteten sofort nach dem Drehen des Zündschlüssels den Eco-Mode ein.

All das hat zu einem Verbrauch von 9,2 kWh auf 100 Kilometer geführt. Umgerechnet auf ein Dieselfahrzeug wären das bescheidenste 0,9 Liter auf 100 Kilometer. Im Vergleich: Den Zoe fuhren wir in unserem Test auch sehr vorsichtig und sparsam und kamen auf 13,5 kWh auf 100 Kilometer. Teslas Model X brachte es – mit Klimaanlage und Autobahnfahrt – auf 27 kWh, und selbst Teslas Volkswagen, das Model 3, benötigte in unserem Test 20 kWh auf 100 Kilometer.

In der Praxis hieß das beim e-Up, dass wir ihn nur einmal in der Woche aufladen mussten. Denn VW hat in die überarbeitete, aktuelle Version eine stärkere Batterie mit einer Kapazität von 32,3 kWh eingebaut. Vollgeladen zeigte der VW eine Reichweite von 376 Kilometern an. Volkswagen selbst gibt die maximale Reichweite mit 260 Kilometer an.

Rekuperation verbessert

Die ist im Stadt- und Pendlerbetrieb jedenfalls realistisch. Glaubt man, mit dem Zwutschgerl (Länge: 3,6 Meter) nach Salzburg fahren zu müssen, wird es freilich eng: Denn auf der Autobahn bei (relativ) hohen Geschwindigkeiten kann man die Reichweite dahinschmelzen sehen, wie einen Gletscher im Hochsommer. Überarbeitet wurde auch die vierstufige Rekuperation, die bei kluger Fahrweise dafür sorgt, dass man teils mit der gleichen Kilometeranzahl am Ziel ankommt, wie man bei Fahrtbeginn als Reichweite angezeigt bekam.

Wer einen vollelektrischen Up will, der sollte sich beeilen. Angeblich verliert VW mit jeder Elektroversion bis zu 5000 Euro.

VW E-UP

Maße: L/B/H: 3600/1645/1492 mm; Radstand: 2417 mm; Wendekreis: 9,8 m; Gepäckraumvolumen: 251–959 Liter; Leergewicht: 1235 kg
Motor: permanentmagneterregte Synchromaschine mit 83 PS (61 kW); Ein-Gang-Getriebe; maximales Drehmoment: 210 Nm; Batteriekapazität: 32,3 kWh
Verbrauch: 12,7–12,9 kWh auf 100 km; Testverbrauch: 9,2 kWh

Preis: ab 22.590 Euro

Compliance-Hinweis:
Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2020)