Schnellauswahl
Anzeigen

Korruptions­staatsanwaltschaft ermittelt gegen Wirecard

Wirecard
Wirecard(c) APA/AFP/CHRISTOF STACHE (CHRISTOF STACHE)
  • Drucken

Ein Staatsanwalt wurde nun mit der Causa befasst. Er soll den deutschen Behören und den Anfangsverdacht zu mehreren Anzeigen prüfen. Der eine Wirecard-Vorstand sitzt wieder in Haft, der andere ist noch immer auf der Flucht.

Der deutsche Skandal um Wirecard ist ein Fall für die österreichische Justiz geworden. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Graz hat einen Staatsanwalt mit dem Thema befasst. Einerseits soll der in Deutschland zuständigen Staatsanwaltschaft München Rechtshilfe geleistet werden - es gibt viele Fragen an Österreich, waren die Vorstände doch zu einem guten Teil Österreicher. Weiters würden Anzeigen auf einen Anfangsverdacht geprüft.

Da wäre etwa die Strafanzeige des Wiener Anwalts Jörg Zarbl wegen des Verdachts des schweren Betrugs und der Marktmanipulation. Er erachtet vor allem einen Aktienkauf von Wirecard-Chef Markus Braun als Problematisch. Braun hatte Mitte Mai Wirecard-Aktien für 2,5 Millionen Euro erworben und damit der Aktie zu einem Kursspruch verholfen. Gleichzeitig habe Braun einen Kredit über 120 Millionen Euro aufgenommen sowie zwie österreichische Immobilien belehnt.

Aufgeblasene Bilanzen?

Die WKStA will ebenfalls die Anzeigen von Cobin Claims prüfen. Die Sammelklagsplattform hat die österreichische Wirecard Central Eastern Europe GmbH angezeigt. Die zweifelt unter anderem an dem Jahresabschluss 2019 und sieht auch Unregelmäßigkeiten im Finanzierungsmodell des Unternehmens. Bereits Anfang Juli hatte Cobin Claims bemängelt, dass die Wirecard-Tochter bei ihrer Insolvenz ein negatives Eigenkapital von 0,6 Millionen Euro angeführt hat, jedoch in dem zuvor eingereichten Jahresabschluss für 2019 noch ein Eigenkapital von 8,4 Millionen ausgewiesen hatte. In einer Sachverhaltsdarstellung bei der WKStA bekritelt Cobin Claims das Finanzierungsmodell von Wirecard. Von Händlern habe man eine Zahlung für die Leistungen für drei Monate im Voraus verlangt. Da habe zu einem permanenten Überhang an liquiden Mitteln gesorgt. Weiters stellt dies den Verdacht in den Raum, dass Wirecard ein Einlagengeschäft betreibe, wofür es aber keine Konzession besitzen würde.

Wirecard-Vorstand Markus Braun sitzt nach Ausweitung der Vorwürfe gegen Wirecard wieder in U-Haft. Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek ist weiterhin auf der Flucht. Deutschland hat einen internationalen Haftbefehl ausgegeben - in Österreich ist die Causa bei der Zielfahndung. Zuletzt wurde gemutmaßt, dass er sich in Russland aufhalten könnte. Deutschland hatte Russland zuletzt gebeten, bei der Suche nach Marsalek behilflich zu sein.