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Corona-Maßnahmen

Anschober: "Der Babyelefant lebt, wir lieben ihn"

CORONAVIRUS-PRESSEKONFERENZ: 'AKTUELLE LAGE': THALHAMMER / ANSCHOBER / SUCHOMEL
Der "Babyelefant", Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), Miranda Suchomel (Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie) und Florian Thalhammer (Österreichische Gesellschaft für Infektiologie)APA/HERBERT NEUBAUER
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Nur, weil man bei Missachtung des Mindestabstandes derzeit nicht bestraft werde, bedeute das nicht, dass man ihn nicht trotzdem einhalten dürfe, appelliert der Gesundheitsminister an die „Klugheit“ des Einzelnen.

„Er lebt, hier ist er. Die Schlagzeilen, dass er gekillt wäre - noch dazu von mir - sind nicht zutreffend. Wir brauchen ihn weiter. Wir lieben ihn.“ Mit diesen Worten begann Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag sein wöchentliches „Corona-Update“. Und meinte damit den „Babyelefanten“, alias Mindestabstand von zumindest einem Meter, der eingehalten werden soll, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Eben dieser Mindestabstand wurde am Donnerstag weitgehend aufgehoben. Beim Betreten von öffentlichen Orten wird seine Missachtung österreichweit nicht mehr gestraft.

Der Hintergrund: Der Verfassungsgerichtshof hatte in der Vorwoche die allgemeinen Corona-Ausgangsbeschränkungen für gesetzeswidrig erklärt, weil sie vom Covid-19-Maßnahmengesetz nicht gedeckt waren. Juristen gingen denn auch davon aus, dass dies auch für die allgemeinen Abstandsregeln der Fall sein dürfte. Weil man auf das VfGH-Urteil umfassend reagieren wolle, stellte Anschober eine Überarbeitung des Covid-Maßnahmengesetzes bis an.

„Wir brauchen ihn trotzdem“, beharrte Anschober nun am Freitag. Daher habe man ein entsprechendes Plakat auch mit zur Pressekonferenz gebracht. Die Botschaft dahinter: „Wir werden den Mindestabstand, der uns so gut gegen die Pandemie hilft, weiter praktizieren.“ Und er hoffe, dass die Österreicher diesem Beispiel eigenverantwortlich folgen. Denn: Die Infektionszahlen seien gemeinhin wieder im Steigen begriffen. „Es gibt überhaupt keinen Grund zu glauben, dass wir uns nur dann richtig verhalten, wenn es der Staat gesetzlich vorschreibt oder bestraft“, appellierte er an die „Klugheit“ des Einzelnen, Abstand zu halten und Masken zu tragen.

175 Neuinfektionen, 130 Neugenesene

Derzeit weise Indien die größten Zuwachsraten auf, auch in Südafrika würden die Fallzahlen immer höher. In Europa beobachtet Anschober „eine leichte Trendumkehr“. Auf die „sehr gute Entwicklung der letzten Wochen hat es sich in vielen Ländern gedreht“, verwies er etwa auf Belgien, Frankreich und Spanien mit rund 2000 registrierten Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden. Auch in den Westbalkanstaaten verzeichne man Zuwächse. Kurzum: „Es geht überall deutlich wieder nach oben.“ So auch in den früheren Modelländern Israel und Singapur. Gesamt betrachtet habe „Israel an die 70.000, die bald erreicht werden, Singapur rund 50.000“, meinte Anschober.

In Österreich gebe es ebenfalls einen Trend nach oben: In den vergangenen 24 Stunden seien 175 Neuinfektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 registriert worden, davon die meisten in Wien (78), Oberösterreich (45), Salzburg und Niederösterreich (je 45). Dem gegenüber stünden 130 Neugenesene.