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Konjunktur

Historische Wirtschaftseinbrüche in Spanien, Italien und Tschechien

Nach dem Corona-Shutdown - Vor dem Neustart des Tourismus auf Mallorca Spanien Szenen aus Playa de Palma - Schinkenstraße
Die ausbleibenden Touristen machen Spanien und Italien schwer zu schaffen.imago images/Chris Emil Janßen
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Die Coronakrise hat mehrere europäische Länder in die tiefste Rezession ihrer Geschichte katapultiert.

 
 

Die Wirtschaft in der Eurozone ist in der Coronakrise unter die Räder gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich im Zeitraum von April bis Juni zum Vorquartal um 12,1 Prozent, wie das Europäische Statistikamt Eurostat am Freitag auf Basis einer vorläufigen Schätzung mitteilte.

Experten hatten einen Einbruch in dieser Größenordnung erwartet, nachdem die Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn um 3,6 Prozent zurückgegangen war.

Auch die beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone wurden hart getroffen: Während das BIP in Deutschland um 10,1 Prozent schrumpfte, waren es in Frankreich sogar 13,8 Prozent. Dazwischen bewegt sich Italien mit minus 12,4 Prozent. Noch heftiger durchgeschüttelt wurden jedoch die Volkswirtschaften in Portugal (minus 14,1 Prozent) und Spanien mit minus 18,5 Prozent. Vergleichsweise glimpflich war der BIP-Rückgang in Litauen mit minus 5,1 Prozent und in Lettland mit minus 7,5 Prozent.

Spanien

Spanien ist durch die Coronakrise in die tiefste Rezession seiner Geschichte gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel im Frühjahr um 18,5 Prozent zum Vorquartal, wie das nationale Statistikamt am Freitag mitteilte. Das Minus ist damit sogar noch größer als die Expertenerwartung von 16,6 Prozent, nachdem die Wirtschaft zwischen Barcelona und Sevilla im ersten Quartal um 5,2 Prozent geschrumpft war.

Zum Vorjahr ergab sich im Frühjahr sogar ein Minus von 22,1 Prozent. Der Konjunkturmotor war vor Ausbruch der Pandemie über Jahre rund gelaufen. Doch die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Virusausbreitung ließen die Wirtschaft abstürzen. Insbesondere der für Spanien sehr wichtige Tourismus-Sektor leidet unter den Folgen der Pandemie.

Im Zuge der Viruskrise ist auch die ohnehin hohe Arbeitslosigkeit in Spanien massiv gestiegen. Zwischen April und Juni gingen eine Million Jobs verloren - so viele wie nie zuvor in einem Quartal. Die Quote erhöhte sich auf 15,33 nach 14,41 Prozent zu Beginn des Jahres. Die EU-Kommission sagt dem südeuropäischen Land für heuer einen BIP-Einbruch um 10,9 Prozent voraus. Aus dem jüngst in Brüssel geschnürten Coronahilfspaket winken Spanien laut Regierungschef Pedro Sanchez 209 Milliarden Euro - davon 81 Milliarden Euro Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Italien

Auch die italienische Wirtschaft wurde durch die Coronavirus-Krise besonders hart getroffen. Das Statistikamt Istat teilte am Freitag in Rom mit, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 12,4 Prozent niedriger als im ersten Quartal 2020 ausgefallen ist. Damit ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) so stark eingebrochen wie noch nie seit dem Beginn der Datenreihe 1995.

Der Rückgang, den Istat als „präzedenzlos" bezeichnete, betraf alle Wirtschaftsbereiche - von der Landwirtschaft über die Industrie, bis zum Dienstleistungsbereich. Der Konsum sei im Land stark rückgängig.

Das Statistikamt rechnet, mit einem BIP-Rückgang im Gesamtjahr 2020 von 14,3 Prozent, sollte es zu keinem Wachstum in den nächsten Quartalen kommen. Im ersten Quartal war Italiens Wirtschaftsleistung um 5,4 Prozent zurückgegangen.

Tschechien

Die tschechische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2020 um 10,7 Prozent im Jahresvergleich und um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal eingebrochen. Dieser stärkste Einbruch der Geschichte Tschechiens ist vor allem auf die restriktiven Maßnahmen im Zusammenhang mit der Coronaepidemie zurückzuführen, teilte das tschechische Statistikamt (CSU) am Freitag mit.

„Einen starken negativen Einfluss hatten die Produktionsbeschränkungen oder Betriebsschließungen in der Industrie, sowie im Handel, Verkehr und in der Gastwirtschaft", sagte dazu der zuständige CSU-Abteilungsleiter, Vladimir Kermiet. Außerdem seien die Auslandsnachfrage und auch der Konsum der heimischen Haushalte deutlich gesunken, hieß es.

Im März kam es auch in Tschechien zum sogenannten Lockdown. Ab Mitte Mai wurde dieser dann angesichts der relativ günstigen Entwicklung der Epidemie im Nachbarland schrittweise wieder gelockert. Laut Experten ist jetzt wieder ein Aufwärtstrend der Wirtschaft beobachtbar.

 
 

(APA)