Die Citigroup wird beschuldigt, sie habe 2007 ihr Engagement in riskanten zweitklassigen Hypothekenpapieren bewusst schöngeredet, um bei den Anlegern besser dazustehen. Die SEC greift zunehmend härter durch.
Washington (DPA/Bloomberg). Gegen die Strafe von 550Mio. Dollar, die die US-Börsenaufsicht SEC der Investmentbank Goldman Sachs aufbrummte, sind die 75Mio. Dollar (57,4Mio. Euro) Strafe für die Citigroup harmlos. Aber es ist ein weiteres Zeichen, dass die SEC härter durchgreift.
Die Finanzmarktreform, die Präsident Barack Obama am 21.Juli abgesegnet hat, ermöglicht es der SEC auch, sogenannten Whistleblowers höhere Belohnungen zu zahlen. Das sind Menschen, die auf mögliche Betrügereien bei Banken und anderen Finanzfirmen hinweisen. Künftig kann die „Prämie“ 30Prozent der Summe betragen, die die SEC in einem Fall einsammelt.
Die Citigroup wird beschuldigt, sie habe 2007 ihr Engagement in riskanten zweitklassigen Hypothekenpapieren bewusst schöngeredet, um bei den Anlegern besser dazustehen. Nach außen hin habe die Citigroup von einem Engagement in sogenannten Subprime-Papieren von 13Mrd. Dollar gesprochen, tatsächlich seien es aber mehr als 50Mrd. Dollar gewesen.
Die SEC belangte wegen der krassen Fehlinformationen auch zwei Citigroup-Manager: den damaligen Finanzchef Gary Crittenden mit 100.000Dollar und den früheren Chef der Finanzmarkt-Kommunikation, Arthur Tildesley, mit 80.000Dollar Strafe. Weder die Bank noch die Mitarbeiter gaben in dem Vergleich eine Schuld zu.
„Keine Halbwahrheiten“
„Die Regeln der Finanzmarkt-Kommunikation sind simpel“, sagte SEC-Chefermittler Robert Khuzami. „Wenn du dich entscheidest, etwas zu verkünden, dann sage die volle Wahrheit und keine Halbwahrheiten.“
Ab Mitte 2007 schaute die gesamte Finanzwelt auf die zweitklassigen Hypothekenpapiere und daraus abgeleitete Finanzprodukte. Viele Banken verspekulierten sich mit den Titeln, als die ohnehin schwachbrüstigen Hausbesitzer in den USA ihre Raten plötzlich nicht mehr zahlen konnten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2010)