Rückblick
Salzburger Festspiele
Die Festspiele beginnen: Hier das Programm zum ersten „Jedermann“ mit den Unterschriften von Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal, Alfred Roller und den Schauspielern. Zum 100-Jahr-Jubiläum werfen wir einen Blick zurück auf große und weniger große Zeiten – und einen Blick nach vor: Denn die Festspiele finden statt. Und auch das ist ein Grund zum Feiern.
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Festspielgäste aus Hollywood: Marlene Dietrich und ihr Mann Rudolf Sieber.
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Proben zum „Jedermann“ 1931: Max Reinhardt galt als großer Schweiger und akribischer Zuhörer. Er hatte Charisma. Er liebte seine Schauspieler und sie ihn. >> So göttlich wie Max Reinhardt
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Zaungäste bei den Proben zum „Jedermann“. In Salzburg haben wir zuerst geglaubt, der ,Jedermann' sei nur ein erster, vorübergehender Versuch.“ Hier irrte Max Reinhardt. Seine Hofmannsthal-Produktion, die er 1920 mit Alexander Moissi in der Titelrolle als Provisorium vor dem Dom inszenierte, wurde zum Dauerbrenner. Nur während des „Dritten Reichs“ mussten die legendären „Jeedeermaaaann“-Rufe schweigen. Dass die Proben zum „Jedermann“ 1950 zahlreiche Zaungäste anzog, darunter auch Kinder, hätte ihm gefallen: Sei doch die Kunst „nicht nur ein Luxusmittel für die Reiche und Saturierten, sondern ein Lebensmittel für die Bedürftigen.“
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Herbert von Karajan nach seiner „Machtübernahme“ in Salzburg, 1957: In der Felsenreitschule produzierte er Beethovens „Fidelio“ und dirigierte den Gefangenenchor bei der Probe auch szenisch. >> Was kann Salzburg, was Bayreuth nicht kann?
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Die Touristen auf dem Domplatz. Der Domplatz – 40 Jahre nach der ersten Festspiel-Premiere war er für die Touristen längst der „Jedermann“-Platz geworden. Ab Mitte der 1950er-Jahre entwickelte sich Österreich zum liebsten Urlaubsland der Deutschen, mit einer Steigerungsrate von 16,6 Prozent wurde 1961 das erfolgreichste Jahr in Salzburgs Fremdenverkehrsgeschichte. Zugpferd Herbert von Karajan lockte 1960 nicht weniger als 852 Kritiker und 101 Fotografen zum „Rosenkavalier“ ins neu erbaute Große Festspielhaus. 183 Millionen Euro an Wertschöpfung erwirtschaftet das Festival heute. Normalerweise. Heuer wird es wegen Corona weniger sein. Aber vielleicht sind die Gäste ganz froh, wenn die Stadt nicht so „gsteckt voll“ ist wie sonst.
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Giorgio Strehlers erster großer Triumph. Der große Regisseur Giorgio Strehler debütierte 1965 mit einer legendären „Schattenriss“-Inszenierung der „Entführung aus dem Serail“ bei den Festspielen (im Bild Reri Grist und Fernando Corena als Blondchen und Osmin). Für Strehler war Mozart der ideale Festspiel-Komponist, herrsche doch in seiner Musik „Klarheit, Einfachheit, Verständlichkeit“. Zwar sei Mozarts Dramaturgie eine Kunst, die „sehr tief lotet“, bliebe dabei dabei aber „leicht und menschlich nachvollziehbar“. Nur wenige Jahre gelang es, den Theatermagier Strehler an der Seite des Klangmagiers Karajan in Salzburg zu halten. Die gemeinsam geschaffene „Zauberflöte“ brachte einen historischen Misserfolg und – Strehlers Abgang. Ein Comeback nach dem Ende der Ära Karajan gab es nicht. Mit Gerard Mortier brach eine neue, eine ganz andere Ära an.
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Bernhard und seine Hassliebe zu Salzburg. Diese Stadt sei „eine Todeskrankheit“, ein „auf der Oberfläche schöner, aber unter dieser Oberfläche tatsächlich fürchterlicher Friedhof der Fantasien und Wünsche“. Also sprach Thomas Bernhard, einer der berühmtesten Söhne der Stadt und einer, der sogar noch kritischer war als einst Mozart. Und doch: Die Festspiele erfüllten Bernhards Fantasien und Wünsche: Fünf Uraufführungen von Stücken aus seiner Feder fanden seit den 1970er-Jahren in den Salzburger Sommern statt – Skandal und Skandälchen inklusive.
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Traumpaar Berger und Jürgens. Immer waren Kino- und Starflair wichtig, speziell beim Salzburger „Jedermann“. Besonderes Schwärmen lösten Senta Berger und Curd Jürgens auf dem Domplatz aus. Für den reichen Mann wurden seltener Filmstars engagiert als für die Buhlschaft. Will Quadflieg und Maximilian Schell waren auch Kinoschauspieler, ebenso Paula Wessely, als Reinhardts Gretchen im „Faust“ 1933 zu erleben. Dagny Servaes, Lola Müthel, Heidemarie Hatheyer und Nadja Tiller waren Filmlieblinge und spielten quasi als Nebeneffekt Jedermanns Geliebte. [ Picturedesk/Imagno/Votava)]
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Von Paladino bis Kiefer: Die Kunst des Plakats. 1984 schuf der italienische Maler und Bildhauer Mimmo Paladino diesen Plakatklassiker für die Premiere von Luciano Berios „Un re in ascolto“. Seit den 1980er-Jahren wurden immer wieder zeitgenössische Künstler mit der Gestaltung eigener Festspielplakate beauftragt. Auch heuer fragte man fünf mit Salzburg oder den Festspielen verbundene Künstler und eine Künstlerin um spezielle Jubiläumsplakatentwürfe – Eva Schlegel, Jaume Plensa, Anselm Kiefer, Robert Wilson und William Kentridge. Sie sind bis Ende August auf dem Makartsteg montiert.
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Couture von Lagerfeld – auch auf der Bühne. Die Festspiele und die Mode – schon 1937 sorgte Marlene Dietrich für Aufsehen, als sie vor dem Festspielhaus in Lederhosen erschien. Fashion hielt auch auf der Bühne Einzug: In Hofmannsthals „Der Schwierige“ trugen 1991 Karlheinz Hackl, Julia Stemberger und Gertraud Jesserer Kostüme, die niemand Geringerer als Karl Lagerfeld entworfen hatte.
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Seither kennt jeder ihren Namen. Anna Netrebko als Verdis Traviata, 2005. Das war dank TV-Liveübertragung das bisher größte mediale Ereignis der Festspielgeschichte. Die russische Sopranistin hatte drei Jahre zuvor bereits in der Salzburger „Don Giovanni“-Produktion unter Nikolaus Harnoncourt ihren internationalen Durchbruch gefeiert. „Entdeckt“ hatte sie aber Valery Gergiev für sein Opernensemble in St. Petersburg, mit dem er 1998 in Salzburg gastierte: Ein Blumenmädchen in Wagners „Parsifal“ an Placido Domingos Seite war Netrebkos echtes Festspiel-Debüt!
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So überreicht man heute Rosen. Der „Rosenkavalier“, Hauptwerk der Festspielgründer Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss, gehört wie Mozarts Opern zur DNA des Festspielprogramms. Lang spielte man in den Originaldekorationen Alfred Rollers, doch gab es aufsehenerregende szenische Neudeutungen. Die allseits gelobte Produktion Harry Kupfers in Dekorationen von Hans Schavernoch hatte 2014 mit Sophie Koch in der Titelpartie und Mojca Erdmann als Sophie Premiere.
Salzburger Festspiele/Monica Rittershaus
„Die Oper führt verdichtet alles, was in Coronazeiten eigentlich vermieden werden soll. Dass das Festival hier der Welt zeigen kann, dass es geht, ist ein wunderbares Zeichen an den Kulturbetrieb“: Joana Mallwitz. >> Zum Interview
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