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Tätowierer: Gestochen scharfe Körperkunst

Gute Tattoo-Künstler sind gefragt, diverse Ausbildungen sorgen für das nötige Fachwissen.
Gute Tattoo-Künstler sind gefragt, diverse Ausbildungen sorgen für das nötige Fachwissen.(c) Getty Images (South_agency)
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Tattoos sind längst salonfähig geworden und stehen für einen besondern Lifestyle. Entsprechend steigt die Nachfrage nach guten Anbietern – und gleichermaßen das Interesse an Ausbildungen in diesem Bereich.

Sie sind auf ägyptischen Mumien genauso zu finden wie an der Gletschermumie Ötzi oder der Schulter von Kaiserin Elisabeth von Österreich – Tattoos haben eine mehr als 5300 Jahre alte Tradition. Aktuell erfreut sich die Körperkunst einer größeren Beliebtheit denn je. „Die Nachfrage steigt definitiv“, sagt Andrea Taxacher von Gaube Kosmetik in Graz. Dementsprechend groß ist auch die Nachfrage nach Ausbildungen zum Tattoo-Artist, die in Österreich die verschiedensten Anbieter im Programm haben.

 

Schulbank für Körperkünstler

Zumindest 97 Stunden Ausbildung mit einem vorgegebenen Curriculum und eine daran anschließende Befähigungsprüfung sieht die Zugangsverordnung zu diesem reglementierten Gewerbe, das zur Innung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure gehört, vor. „In der Regel umfassen die Ausbildungen aber deutlich mehr Stunden“, erklärt Heinrich Schmid, Geschäftsführer der NÖ Landesinnung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure. Knapp 200 Stunden müssen angehende Körperkünstler die Schulbank dafür beispielsweise am BFI Oberösterreich, das die Ausbildung an den Standorten Wels und Steyr anbietet, drücken. „Bei uns stehen mehr theoretische Gegenstände als vorgeschrieben auf dem Programm“, sagt Petra Preisinger vom BFI OÖ. Die Kosten belaufen sich auf 3130 Euro brutto, die durchschnittliche Teilnehmerzahl liegt bei 15.

Rund 230 Übungseinheiten umfasst die Ausbildung, die von der Grazer Gaube Kosmetik angeboten wird. Kostenpunkt für die in 23 Blöcke aufgeteilte Ausbildung mit maximal sechs Teilnehmern: 6990 Euro netto. „Es besteht allerdings die Möglichkeit von Förderungen“, sagt Taxacher. Die Ausbildungsinhalte sind breit gefächert: Sie reichen von der Geschichte des Tattoos über Stil- und Farbenkunde, Motivfindung, Zeichentraining und Umgang mit den Geräten über rechtliche Grundlagen, Beratungskompetenz bis zur Vorbereitung auf die Selbstständigkeit. Breiter Raum wird darüber hinaus den Themen Hygiene und Infektionslehre, Anatomie, Virologie, Infektionen, Desinfektion, Kontraindikationen, Erste Hilfe und Abfallmanagement gewidmet, außerdem gibt es mehrtägige Praktika.

Neu im Reigen der Ausbildungsanbieter ist nun auch die HTL Ferlach. Ab dem kommenden Schuljahr bietet sie nun das Doppelstudium Graveur/Tattoo-Artist an. „Das ist eigentlich aus der Not entstanden: Wir konnten Jugendliche mit der Ausbildung zum Graveur nicht mehr erreichen und haben das Berufsbild mit dem Tattoo-Artist in die Jetzt-Zeit geholt“, erzählt Direktorin Silke Bergmoser. Das Interesse daran ist enorm: „Wir werden ab Herbst zwei Klassen füllen“, freut sich Bergmoser. Die Ausbildung dauert fünf Jahre, schließt mit der Reife- und Diplomprüfung ab und besteht zu je einem Drittel aus Allgemeinbildung, die zum weiteren Studium an Universitäten berechtigt und auf die Selbstständigkeit auch mit wirtschaftlichen Kompetenzen vorbereitet, fachtheoretischen sowie fachpraktischen kreativen und technologischen Gegenständen, die sich speziell mit Art und Design befassen. Weiters wird in der Praxis zuerst am Papier und schließlich am Metall beziehungsweise an der Kunsthaut oder einem Kunsttorso gearbeitet, um so bestmöglich auf den Berufsalltag als Graveur beziehungsweise die Befähigungsprüfung zum Tätowierer vorzubereiten.

Interessierte sollten Taxacher zufolge nicht nur ein „Händchen für's Zeichnen und für Farben“, sondern auch Kreativität mitbringen. „Vorlagen aus dem Internet zu kopieren, reicht nicht“, sagt sie. Ein guter Tätowierer werde man nur durch das Finden eines eigenen Stils. Weitere Voraussetzungen sind eine gute Augen-Hand-Koordination, Sehvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Genauigkeit und Freude am Umgang mit Menschen.

 

Gute Berufschancen

Das deutlich gestiegene Interesse an Tattoos führen sowohl Taxacher als auch Preisinger auf einen Imagewandel zurück. Hatten sie früher das Stigma des Häftlings, Matrosen oder Gangmitglieds, sind sie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten salonfähig geworden. „Tattoos sind ein Symbol für einen bestimmten Lifestyle – und zwar nicht mehr nur bei jungen Menschen, sondern auch bei älteren“, heißt es unisono. Ebenso einhellig werden die Berufschancen für die fertigen Tätowierer als „sehr gut“ eingeschätzt. „Unsere Teilnehmer haben in der Regel alle vor Abschluss der Ausbildung eine Arbeitsplatzzusage in der Tasche“, erzählt Preisinger. Und Taxacher ergänzt: „Es ist nicht nur eine tolle Szene. Tätowierern steht die Welt offen“. Preisinger hat für die Ausbildungsteilnehmer übrigens noch einen Tipp parat: „Die Befähigungsprüfung ist sehr schwer. Es ist daher ratsam, zuvor noch rund ein Jahr Praxis zu sammeln.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2020)