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„Festspiele in Salzburg“: Manifest eines Mitbegründers

Zugleich höchst raffiniert und höchst natürlich. Max Reinhardts Regiebuch zu „Jedermann“.
Zugleich höchst raffiniert und höchst natürlich. Max Reinhardts Regiebuch zu „Jedermann“.(c) Illustration aus dem auf Seite V besprochenen Reinhardt-Band
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„Als das Spiel lebendig wurde“: Über Wurzeln und Visionen des Festspielgedankens aus der Sicht des Jahres 1921.

Musikalisch-theatralische Festspiele in Salzburg zu veranstalten, das heißt: uralt Lebendiges aufs Neue lebendig machen; es heißt: an uralter, sinnfällig auserlesener Stätte aufs Neue tun, was dort allezeit getan wurde; es heißt: den Urtrieb des bayrisch-österreichischen Stammes gewähren lassen, und diesem Volk, in dem „die Gabe des Liedes, des Menschenspielens, des Holzschneidens, des Malens und des Tonsetzens fast allgemein verteilt ist“, den Weg zurückfinden helfen zu seinem eigentlichen geistigen Element.

Dem Bajuwaren wurde alles Handlung; Er ist der Schöpfer des deutschen Volksspieles. Das Passionsspiel der Oberammergauer Bauern, alle zehn Jahre wiederholt, ragt heraus, weltberühmt. Aber der Ammergau ist ein Gau unter siebzig Gauen deutscher alpenländischer Landschaft; und die Dörfer und Städtlein, die Abteien und Schulklöster am Inn und an der Etsch, an der Donau und an der Mur haben aus sich das Gleiche herausgeboren. In Tirol allein lassen sich innerhalb eines halben Jahrhunderts, 1750 bis 1800, an 160 verschiedenen Orten über 800 Volksaufführungen zählen. „Der Tiroler Bauer hat in diesem halben Jahrhundert einfach alles gesehen, was seit 1600 über deutsche Bühnen, vieles, was in dieser Zeit über europäische Bühnen gegangen war.“ Da sind Staatstragödien großen Stils, Passionsspiele, Weltgerichtsspiele, deutsche und italienische Operetten; da sind Legenden; da sind Komödien und Tragödien aus dem Spielplan aller deutschen Hoftheater dieses Menschenalters und alte Fastnachtsspiele; da steht neben Voltaires „Zaïre“ der „Sächsische Prinzenraub“, neben der „Maria Stuart“ die „Griseldis“, „Genoveva“, „Johannes von Nepomuk“.