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Nachforschung

Wer war Mozarts Don Alfonso?

Überstrenge Moraltheologie: Alfonso de' Liguori, 1696 bis 1787.
Überstrenge Moraltheologie: Alfonso de' Liguori, 1696 bis 1787.(c) Illustration: Mary Evans/Picturedesk
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Als ich vor Jahren „Così fan tutte“ inszenierte, habe ich nach Quellen zum Libretto recherchiert. Für den Namen des alten Philosophen konnte ich damals noch keine plausible Erklärung finden. Dabei ist es nicht geblieben. Geschichte einer Nachforschung.

Wollen wir die Handlung von Mozarts und Da Pontes Oper „Così fan tutte“ verstehen, müssen wir diese im historischen Kontext betrachten. Die Regieanweisungen aus Mozarts und Da Pontes Federn würden uns als unverständlich und wertlos erscheinen, wären wir nicht in der Lage, die Hintergründe zu den Motiven des Librettos aufgrund ihrer historisch belegbaren Hinweise zu erkennen. Dazu müssen wir zunächst die für jene Epoche bedeutendsten Entwicklungen der Geistesgeschichte, auf die sich die Handlung von „Così fan tutte“ zurückführen lässt, näher betrachten.

Die Kenntnis der damals gerade aktuellen Forschungen zur Entschlüsselung des menschlichen Unterbewusstseins eröffnet uns den Zugang zu all dem, was uns heute unter dem Begriff Psychologie bekannt ist. Zur Zeit Mozarts waren es mehrere Einzelpersönlichkeiten, die als Vorkämpfer unseres heutigen Wissens zur Erforschung der menschlichen Seele beitrugen. Unter ihnen befanden sich zahlreiche Ärzte, Theologen, Philosophen und auch Schriftsteller. Sie alle vertraten gegensätzliche Ansichten, und ihre Methoden waren keinesfalls unumstritten.

Diese Vorkämpfer der Aufklärung machten es sich zur Aufgabe, die Seelen der Menschen zu erkunden. Schiller bezeichnete in seinen Schriften solche Erkundungen, die die inneren Beweggründe menschlichen Fühlens und Handelns tiefer auszuloten versuchten, auch als Seelenlehre oder Seelenkunde. Erst mehr als ein Jahrhundert nach Mozarts Tod kam es im Laufe der Weiterentwicklung dieser Forschungen zu einer als eigenständig anerkannten Etablierung dieses wissenschaftlichen Forschungsgebietes. Dieses entstand jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Aus heutiger Sicht könnten wir solche frühen Vorstöße als noch nicht ausgereifte Form der heutigen Psychologie definieren. Zu jener Zeit, als Mozart an seiner Oper „Così fan tutte“ arbeitete, stand das Interesse an diesen Forschungen zur Seelenlehre in voller Blüte.