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Pizzicato

Die Prinzipalin

Mögen die Spiele gelingen – und möge Fortuna der Prinzipalin hold sein!

Vom Domplatz hallt es über den Residenzplatz hinüber über die Salzach, über Kapuzinerberg und Gaisberg, über Fuschlsee und Wolfgangsee in die Welt hinaus: „Salzburg is open for business.“ Ein Donnerhall, mit Fanfaren von Pauken und Trompeten. Kein „Jedermann“-Memento-mori mit Corona-Windhauch.

Das ABC der großen internationalen Sommerfestivals – allesamt abgeblasen, von Avignon über Bayreuth, Bregenz, Edinburgh, Glyndebourne, Mörbisch bis zu Tanglewood in Massachusetts. Nur in der Mozartstadt ertönt der „Sound of Music“ – und das ist schließlich ihr Sinn und Daseinszweck, der die Ferien und Feiertage füllt, notabene im Jubiläumsjahr. Wer, wenn nicht Salzburg!

Hoch oben, zwischen Mönchsberg und Kapuzinerberg, wird der langjährige ORF-Zampano mit Wohlgefallen auf seine Tochter blicken, die den Taktstock schwingt und das große Festspiel-Orchester furchtlos und mit fester Hand dirigiert. Eine Frau am Pult – für die Reinhardts und Karajans wohl noch Science-Fiction. Geradlinig, unbeugsam, mit eisernen Nerven und ehernem Willen und der DNA einer Matriarchin hat die begnadete Netzwerkerin das Festival gegen alle Unkenrufe auf das Programm gesetzt. Dereinst werden die Salzburger ihrer HRS ein Denkmal bauen. Mögen die Spiele gelingen – und möge Fortuna der Prinzipalin hold sein!

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2020)