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Salzburger Festspiele: Neue Gesichter auf der Bühne

Salzburger Festspiele Neue Gesichter
(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Salzburg macht sich immer gut auf den Visitenkarten junger Künstler. Eine neue Generation hält Einzug in der Stadt. „Das Publikum in Salzburg liebt die Schauspieler“, so Schauspielchef Thomas Oberender.

Der Laufsteg der Eitelkeiten in der Salzburger Hofstallgasse ist unerbittlich. Die Nahaufnahmen der Society-Fotografen zeigen jedes neue Fältchen, welches das vergangene Jahr in die Gesichter der regelmäßig wiederkehrenden Stammgäste gezeichnet hat. Das Archiv deckt gnadenlos auf, wer welches Kleid schon wie oft im Festspielhaus getragen hat. Und weil neue Stars und Sternchen an der Salzach rar sind, werden die Promis bei jeder Festspielauffahrt, bei jedem Empfang, bei jeder Premierenfeier wieder und wieder fotografiert. Man kennt einander.

Neu in Salzburg sind dafür zahlreiche Künstler, die nicht nur auf der Bühne zu sehen sind, sondern die Stadt mit ihren Lokalen, Feiern, Museen und Konzerten genießen. Der Hype um das Neo-Jedermann-Dream-Team Birgit Minichmayr und Nicholas Ofczarek verdeckt, dass in diesem Sommer eine ganze Schar an jungen, in Salzburg bisher noch nie oder kaum gesehenen Künstlern in der Stadt präsent ist. Menschen, die, wenn sie im Café Tomaselli oder im Gasthaus Krimpelstätter am Nebentisch sitzen, nicht sofort von jedermann erkannt und bestaunt werden. Künstler, nach denen die Salzburger Wirte und Cafetiers noch keine Nudelgerichte, Steaktoasts oder Süßigkeiten benannt haben. Wird schon noch.


Herzlich aufgenommen werden die „Neuen“ in Salzburg auf jeden Fall: „Das Publikum in Salzburg liebt die Schauspieler. Die Künstler bekommen Torten und Blumen geschenkt, sie werden ständig fotografiert“, sagt Schauspielchef Thomas Oberender im Gespräch mit der „Presse“. Es gebe eine besonders wertschätzende Atmosphäre: „Schauspieler werden hier als besondere Menschen wahrgenommen.“

Abseits dieser freundlichen Grundschwingung in der Stadt hat ein Auftritt in Salzburg für einen jungen Künstler aber auch ganz handfeste Vorteile: „Es ist immer noch eine Auszeichnung, hier zu spielen“, weiß Oberender. Je nach Rolle könne ein Salzburg-Engagement auch eine gewisse Dynamik in der Karriereentwicklung bewirken.

Salzburg macht sich gut auf der Visitenkarte eines Schauspielers, Sängers oder Musikers. So einen Karriereschub hat Elsie de Brauw, die in diesem Sommer zu den neuen Gesichtern in Salzburg gehört, nicht mehr nötig. In ihrer Heimat Holland ist sie längst ein Star. 2006 wurde sie zur besten niederländischen Schauspielerin gekürt, seit Kurzem gehört sie zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Elsie de Brauw spielt in Stefan Zweigs „Angst“ eine der Hauptrollen. „Sie kommt aus einer anderen Theaterkultur, spielt sehr unmittelbar und direkt“, sagt Oberender über die Holländerin, die akzentfrei Deutsch spricht. Bei der Premierenfeier von „Angst“ zeigte sie, dass sie nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Salzburger Partysommer eine gute Figur macht.


Ebenso wie Katja Bürkle – ebenfalls in „Angst“ zu sehen. Bürkle hatte zuletzt in Jelineks „Rechnitz“ für Furore gesorgt. Die gebürtige Stuttgarterin wurde 2002 von „Theater heute“ zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres gekürt. Auch sie gehört zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Jossi Wieler, Regisseur von „Angst“, schätzt an Bürkle „Klarheit, Energie, Belesenheit, Wandlungsfähigkeit – ihre Lust am Spiel“.

Angelika Richter – einem breiteren Fernsehpublikum als „Nicole Rückert“ aus der Serie „Stromberg“ bekannt – ist als „Gute Werke“ ein wichtiger Teil des Jedermann-Auffrischungsteams. Sie genießt es, ein wenig im Hintergrund zu bleiben. Wenn die Society-Fotografen ständig Minichmayr und Ofczarek auf den Fersen sind, bleibt für die anderen mehr Spielraum, einmal unerkannt gemütlich durch die Stadt zu bummeln.

Zur Debütantenrunde gehört auch ein junger Franzose: Vladislav Galard ist in der Produktion „Notre Terreur“ zu sehen. Neben Theater- hat er auch schon einige Filmrollen gespielt – und ist gerade dabei, in seiner Heimat zum Jungstar zu werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2010)