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Kolumne zum Tag

Ode an den Sitzsack

Symbolbild.
Symbolbild.(c) imago images / Westend61 (via www.imago-images.de)
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Endlich ist der Sitzsack frei, den das Kind zum Zeugnis bekommen hat.

Das Kind urlaubt aktuell bei den Großeltern, und während ich früher diese kinderlosen Abende genutzt habe, um Freunde zu treffen, ins Kino zu gehen (oder mir zumindest das und noch viel mehr vorgenommen habe, um dann eh nur auf dem Balkon zu landen), habe ich dieses Mal keine großen Ausgeh-Ambitionen.

Weil: Endlich ist der Sitzsack frei, den das Kind zum Zeugnis bekommen hat. Jawohl, Sitzsack. Das ist so ein eher unförmiges Ding, das man sich zum Daraufherumknotzen in die Wohnung holt, eine Art tragbare Minicouch für den Zimmerboden. Es gibt ganz kleine Sitzsäcke, an die man sich eher nur anlehnt, mittelgroße und sehr große. Wir haben einen gigantisch großen, von den Dimensionen, ich übertreibe nicht, beinahe ein Einzelbett, was die freie Fläche im Kinderzimmer in der Sekunde so in etwa halbiert hat, was ihn aber auch so unverschämt gemütlich macht.

Dass das Kind in den ersten Tagen mit XXL-Sitzsack selbigen nur sehr gelegentlich zu den Hauptmahlzeiten verlassen hat, kann ich im Nachhinein mehr als verstehen. Bei der Vergabe der Preise für ästhetische Wohnaccessoires würde so ein Ungetüm zwar nicht einmal den Trostpreis abräumen, aber wie so oft sind die am wenigsten attraktiven Dinge schlicht die allerbequemsten (Stichwort Jogginghosen). Jedenfalls liege ich aktuell, wenn ich nicht gerade in der Redaktion sitze, gern auf dem Sitzsack herum und habe kurzzeitig auch überlegt, mich wieder in Home-Office zu begeben und ebendieses ins Kinderzimmer zu verlegen. Da kann das Handy läuten, der Magen knurren, einen derart bequemen Platz wieder zu verlassen bedarf großer Überwindung. Womit dieser Sitzsack gefüllt ist, weiß ich gar nicht. Viele kleine Teile jedenfalls, die an Styropor erinnern (nur viel härter) oder an Kirschkerne (nur viel weicher).

Ich bin also nicht allzu viel herumgekommen in dieser kinderlosen Woche. Einmal war ich mit Freundinnen beim Inder essen und habe dabei natürlich schon wieder meinen Gastro-Gutschein daheim vergessen. Aber das ist eine andere Geschichte. In diesem Sinne: Ein äußerst gemütliches Wochenende!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2020)