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Erste: Risiko kehrt zurück

Erste-Group-Chef Bernd Spalt.
Erste-Group-Chef Bernd Spalt.(c) APA/HERBERT NEUBAUER
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Aufgrund der Coronakrise bucht die Erste wieder hohe Vorsorgen.

Wien. Der entscheidende Faktor für Bankbilanzen sind die Risikovorsorgen für faule Kredite. Diese belasteten in den Jahren nach der Finanzkrise die operativ starken Ergebnisse der Institute und sorgten mitunter sogar für Nettoverluste. In den vergangenen Jahren drehte sich das Bild jedoch: Statt neue Risikovorsorgen bilden zu müssen, konnten die Banken mitunter sogar bestehende auflösen. Die Folge waren neue Rekordgewinne. Die Coronapandemie hat dem nun aber – vorerst – ein Ende bereitet.

So zeigt die Halbjahresbilanz der Erste Group, die am Freitag vorgelegt wurde, eine Rückkehr des Risikos. Konnte die größte heimische Bank in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 noch Risikovorsorgen im Ausmaß von 42,8 Mio. Euro auflösen und somit den Gewinn erhöhen, gab es im ersten Halbjahr 2020 aus dieser Position ein Minus von 675,4 Mio. Euro. Das operative Ergebnis von 1,36 Mrd. Euro wurde dadurch auf 681,8 Mio. Euro reduziert. Unter dem Strich blieb der Ersten ein Nettogewinn von 293,8 Mio. Euro, während es 2019 noch 731,9 Mio. Euro gewesen waren.

 

„Noch keine Ausfälle“

Die Bildung der Vorsorgen bedeute aber nicht, dass bereits Kredite im entsprechenden Ausmaß uneinbringlich geworden seien, so Erste-Group-Chef Bernd Spalt und Risikovorständin Alexandra Habeler-Drabek bei der Präsentation der Zahlen. „Aufgrund der staatlichen Maßnahmen gab es bisher noch keine größeren Ausfälle.“ Das Institut wolle sich jedoch vorsorglich auf eine erwartete Insolvenzwelle und die damit einhergehenden Kreditausfälle zum Jahreswechsel vorbereiten. Für das Gesamtjahr ist eine Vorsorge im Ausmaß von 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro geplant.

Wie stark diese Vorsorgen schlussendlich gebraucht werden, hänge auch davon ab, ob es gelinge, frisches Eigenkapital für die betroffenen Unternehmen bereitzustellen, so Spalt. „Kredite allein werden das Problem nicht lösen.“ Die Banken seien der optimale Vermittler zwischen möglichen Eigenkapitalgebern und den betroffenen Unternehmen.

2020 sei ein „herausforderndes“ Jahr. Aufgrund der Kapitalquote von 14,2 Prozent sei man aber gut gerüstet. Spalt geht daher davon aus, dass es auch heuer ein Ergebnis gibt, das „eine Dividende rechtfertigt“. Ausgezahlt soll diese aber zusammen mit jener für 2019 frühestens 2021 werden, da die EZB die Vorgabe macht, heuer keine Dividenden auszuschütten. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2020)