Schnellauswahl
Coronatrends

Mehr Junge und mehr Personen ohne Symptome

In St. Wolfgang seien 75 Prozent der Neuinfizierten „ganz Junge“.
In St. Wolfgang seien 75 Prozent der Neuinfizierten „ganz Junge“.(c) APA/FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR (FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR)
  • Drucken

Die jüngsten Testergebnisse veranlassten Gesundheitsminister Rudolf Anschober zu einem Appell an junge Menschen, auch im Sommer vorsichtig zu sein – und an Tourismusbetriebe, ihre Mitarbeiter testen zu lassen.

Wien. Die jüngsten Zahlen lasen sich am Freitag so: 10.425 Tests in den vergangenen 24 Stunden ergaben 175 Neuinfektionen mit Covid-19, was einem Positiv-Testanteil von 1,7 Prozent entspricht. Die Bandbreite in den vergangenen sieben Tagen lag zwischen 1,1 und 1,9 Prozent, wie Gesundheitsminister Rudolf Anschober in einer Pressekonferenz informierte.

Dabei hätten sich zwei Phänomene gezeigt: Erstens steigt unter den positiv Getesteten die Anzahl jener Personen, die keine Symptome haben. Zuletzt belief sich diese Zahl auf 26 Prozent, was Anschober dazu veranlasst, hier „noch genauer hinzuschauen“. Zweitens sind unter den Neuerkrankten „kaum ältere Menschen, sondern vor allem junge“. Das sei schon im März so gewesen, als die Coronakrise in den hauptsächlich „von Jungen und Mittelalten“ frequentierten Skigebieten ihren Ausgang genommen habe. Weshalb der Minister nicht nur, aber vor allem an die Jungen appellierte, auch im Sommer Vorsicht walten zu lassen. Wichtig seien Hygiene, ein Mund-Nasen-Schutz und ein Meter Mindestabstand. „Der Babyelefant lebt, hier ist er“, sagte der Grünen-Politiker und zeigte auf ein Kartonexemplar. „Ich habe ihn nicht gekillt, wir brauchen ihn.“ Auch wenn bis zur Novellierung des Gesetzes im September keine Strafen mehr verhängt werden.

In St. Wolfgang etwa seien 75 Prozent der Neuinfizierten „ganz Junge“, meist Praktikanten im Tourismus. Auch deshalb rät Anschober den Betrieben „dringend“, das kostenlose Testangebot für Mitarbeiter anzunehmen. Er habe Verständnis für die Sorgen der Unternehmen, aber: „Es wird nicht der ganze Betrieb geschlossen, wenn ein Test positiv ist. Wir haben ganz gute Mechanismen.“ Es wäre wichtig, wenn „sich eine Kultur für das Testen entwickelt und man Tests als Werbung verwendet“, so Anschober. „Es tut nicht weh.“

In Österreich können sich derzeit alle Tourismusmitarbeiter mit Gästekontakt freiwillig auf Covid-19 testen lassen. Bis zu 65.000 PCR-Abstriche sollen damit wöchentlich möglich werden. Wobei diese Zahl bisher nicht annähernd erreicht wurde. Eine Verpflichtung für die Unternehmen könne die Regierung nicht aussprechen, sagte der Gesundheitsminister. Das sei gesetzlich nicht möglich. In anderen Branchen habe aber seines Wissens keiner jemals einen Test verweigert. „Die Leute wollen es.“

Wider die Maskenkritiker

Zur Pressekonferenz war Anschober in Begleitung zweier Experten erschienen, um der Kritik an der Maskenpflicht etwas entgegenzusetzen. Sowohl die Hygienikerin Miranda Suchomel, die „anfangs skeptisch“ war, als auch der Infektiologe Florian Thalhammer (beide von der Med-Uni Wien) attestieren einfachen Masken, etwa aus Baumwolle, eine hohe Schutzwirkung. Das sei wissenschaftlich mittlerweile bewiesen. Vorausgesetzt, man trage sie „nicht schlampig“, wie Thalhammer sagte.

An der neuen Maskenpflicht gibt es aber auch Kritik. Die seit Freitag vor einer Woche geltende neue Verordnung schreibt einen Mund-Nasen-Schutz (neben Apotheken und Öffis) auch wieder für den Lebensmittelhandel, Tankstellenshops, Bank- und Postfilialen sowie beim Besuch in Gesundheitseinrichtungen vor. Eine solche "Differenzierung zwischen Lebensmittelhandel und anderem Handel müsste eine sachliche Grundlage haben", meint etwa der Verfassungsrechtler Rudolf Müller.

(pri)