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Schmeiß das Smartphone in den Gatsch!

Einfach ab in den Gatsch: Gut, dass die Eltern nicht dabei sind!
Einfach ab in den Gatsch: Gut, dass die Eltern nicht dabei sind!YoungExplorers
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Überleben ganz ohne WLAN und Bildschirm: Outdoor-Camps machen Kids mit der Natur vertraut – mit überraschenden Resultaten.

Für viele Kids beginnt die Wildnis zuweilen dort, wo das WLAN endet – ein unbekanntes, etwas feindselig anmutendes Terrain. Aber was, wenn es einmal echt in die Büsche geht, ganz ohne künstliche Bespaßung, mit dem Wald nicht nur als schön grünem Hintergrund, sondern als eigenem Themenpark? Willkommen in der Welt der Outdoor-Camps, wie sie in Wien zum Beispiel Ronnie Niedermeyer betreibt.

Oder besser gesagt: von Wien aus. Denn kaum hat sich eine Gruppe von Ronnies „Young Explorers“ am vereinbarten Treffpunkt eingefunden, geht es raus aus der Stadt, ins Grüne. Zum Beispiel in die Donauauen. Dort lernen die Kids eine andere Art Wandern kennen: nicht auf den üblichen Trampelpfaden – und ohne Eis und Snacks als elterliche Lockmittel.

Klingt wie im falschen Film? Abwarten. Der siebenjährige Henri war schon zweimal bei Ronnie Niedermeyers Young Explorers dabei, und wir staunen seither, was er uns neuerdings beim Waldspaziergang mit erhobenem Zeigefinger so alles stolz doziert. Welches Gewächs am besten bei Insektenstichen hilft (Spitzwegerich, aber auch Gänseblümchen wirken), wie man die Kräuter und Blumen überhaupt erkennt, welche Beeren essbar sind, und wie man sich einen wetterfesten Unterschlupf baut – ohne vorherigen Großeinkauf im Camping-Shop.

Die Schauplätze sind Berg, Felsen, Höhle, Wald und Wasser, manchmal auch alles zusammen. Ronnies Motto: „Bei jedem Wetter draußen.“ Ausreden und Schlechtwetterprogramm gibt es also nicht.

Braucht es auch nicht. Kids lieben die Natur, den Gatsch und die Freiheit; sie brauchen manchmal bloß einen Scout, der Geheimnisse, Wissen und Fertigkeiten vermittelt. Damit können Eltern schnell einmal überfordert sein, weil sie, nun ja, einfach Eltern sind. In Ronnies Obhut und in der verschworenen Gruppe von Dreikäsehochs, die sich oft erst beim Camp kennenlernen, ist die Motivation gleich viel höher – und sind die sonstigen Vergnügungen des Alltags – digitaler Natur oder stark zuckerhaltig – schnell vergessen.

Niedermeyer, der selbst wie ein großer Bub wirkt, ist zertifizierter Outdoor-Guide und Kletterlehrer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2020)