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Leitartikel

Doskozils Reflex, Tanners Iwan, Anschobers Blick

Hans Peter Doskozil kämpft als bester Mann der Regierung in der SPÖ.
Hans Peter Doskozil kämpft als bester Mann der Regierung in der SPÖ.APA/ROBERT JAEGER
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Die Fehlerunkultur und die dazugehörigen Ablenkungsmanöver in der Politik prägen diesen Sommer. Und Hans Peter Doskozil kämpft als bester Mann der Regierung in der SPÖ.

Ein Sommerloch kann man sich wie den Neusiedlersee 2020 vorstellen – ziemlich seicht und ziemlich schlammig. Was liegt also näher, als dass der zuständige Landeshauptmann Hans Peter Doskozil die mediale Führerschaft in diesem von Corona, Urlaub und Erschöpfung geprägten Sommer übernimmt. Mühelos gelang es ihm in wenigen Tagen, eine Führungsdebatte gegen Pamela Rendi-Wagner anzuzetteln, die dank Mitgliederbefragung längst beendet schien und die außer ihm und ein paar Partei-Desperados niemand wollte. Die Wiener Landespartei hat offiziell zwecks des eigenen Wahlkampfs den Burgfrieden ausgerufen. Dass ihn Doskozil mit seinen vorlauten Interviews breitbeinig bricht, zeugt von napoleonischem Selbstbewusstsein und einem Syndrom, das unter dem Titel „Unguided Missile“ in den besten Familien und Parteien vorkommt.

Vielleicht hatte Doskozil aber ein handfestes Motiv: die Ablenkung. Immerhin hat der Landeshauptmann einen der größten Bankenskandale im eigenen Land, der nicht nur mit einem mächtigen lokalen SPÖ-Netzwerk passiert ist, sondern wohl auch wegen der Abhängigkeiten im „Kuba Österreichs“ unentdeckt blieb, wie der Rücktritt von Finanzlandesrat Christian Illedits am Samstag eindrücklich beweist. In einer ersten Reaktion hatte Doskozil mit einem der drei, vier österreichischen Krisen-Klassiker reagiert: Er klagt. Konkret geht es gegen die FMA, also den Bund, die ihre Kontrollaufsichten verletzt hätten. Damit betritt der Landeschef dünnes Eis, das Land hatte wohl auch Kontrollpflichten für eine der Eigentümer-Konstruktionen der Bank, wie sich in den kommenden Wochen vermutlich zeigen wird. Aber neben dem Doskozil'schen Klagsreflex gibt es auch noch das türkise taktische Manöver, das man etwa aus dem U-Boot-Film „Jagd auf roter Oktober“ kennt: das plötzliche Rückwärtsfahren, um Feinde aufzustöbern, „irrer Iwan“ genannt. Das kann aktuell niemand so gut wie Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, die in zwei Wochen mindestens fünf verschiedene, sich teilweise widersprechende Positionen einnahm. Es fehlt nur der Vorschlag, die Kasernen und die Miliz mit der Luftraumüberwachung zu betrauen.