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Skepsis in New York, Vorfreude in Pörtschach

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New York hält an den Grand-Slam-Plänen fest, am Montag startet wieder die WTA-Tour mit dem Turnier in Palermo. In Pörtschach wartet man auf grünes Licht für ein Frauen-Turnier im August.

New York/Wien. Es klingt wahnwitzig ob der steigenden Infektionszahlen, doch die Organisatoren der US Open halten an ihrem Plan fest. der Tennis-Grand-Slam soll am 31. August in New York beginnen. Die Planung, so stand es in einer Aussendung, gingen ungeachtet aller Einflüsse weiter. New York zählt über 430.000 Coronafälle, doch das Leben im „Big Apple“ pulsiert – und daher soll in Flushing Meadows aufgeschlagen werden.

Was wie die unbeirrbare Vorgehensweise des Internationalen Olympischen Komitees anmutet, das ja auch bis zur letzten Minute die Verschiebung der Sommerspiele 2020 in Tokio ausgeschlossen hatte, scheint in den USA jedoch von System begleitet. Spieler und Begleitperson würden isoliert, oft fiel der Begriff einer „Bubble“, also Blase. Getreu Vorbildern NBA (22 Basketball-Teams abgeschirmt in Disney World, Orlando) oder NHL (alle Spiele nur in Edmonton und Toronto) soll auch die Tennis-Klientel mit der Außenwelt keinen Kontakt haben. Ankunft, Kontrolle, Leben im „Airport“-Hotel, Transfer zur Anlage, Spiel und retour. Manhattan, Times Square, Ausflüge nach Brooklyn – diese Hotspots bleiben absolute Sperrzonen.

Nur, wie laufen die Einreisebestimmungen für Europäer? Wie lange müssen sie bei ihrer Rückkehr aus den USA in Quarantäne? Diese Fragen bleiben offen. Fix ist nur eines: vor dem Grand Slam, der ohne Zuschauer steigen wird, soll es in Flushing Meadows ab 22. August eine Generalprobe geben. Das Turnier von Cincinnati findet jetzt für WTA (Frauen) und ATP (Herren) in New York statt.

Verzicht da, Vorfreude dort

Es gibt nicht durchgehend Applaus, sondern es hagelt auch Kritik. Die Nummer 1 der WTA-Tour, die Australierin Michelle Barty, sagte ob Anreise-Modalitäten und Sicherheitsaspekten umgehend ab. Auch ihr nie um einen provokanten Satz verlegener Landsmann Nick Kyrgios hat auf den Trip in den „Big Apple“ definitiv keine Lust: „Ich verzichte für die Menschen, meine Aussies – für die Hunderttausenden Amerikaner, die ihr Leben verloren haben!“

Seit der „Adria Tour“, dem umstrittenen Turnier des Serben Novak Djoković, bei dem alle Warnungen heillos ausgeschlagen und zahlreiche Spieler positiv getestet wurden, herrscht eine gewisse Skepsis in der Branche vor. Selbst der seitdem durchwegs verhaltensauffällige Alexander Zverev, 23, verfiel nicht in pure Freude, als er von den US-Open-Plänen erfuhr. Der Deutsche, betreut vom Spanier David Ferrer, sagt: „Es ist ein bisschen verrückt, jetzt die US Open zu spielen. Ich würde es lieber haben, wenn sie nicht stattfänden und wir in Europa anfangen. Es ist nicht die richtige Zeit, um nach Amerika zu fliegen.“
Gut gewählten Worten folgte prompt ein missverständlicher Return: die Absage seinerseits schloss der Deutsche freilich aus.

Auch Dominic Thiem soll weiterhin Vorbehalte hegen, erwägt jedoch die Teilnahme – und im Fall des frühen Aus den direkten Umstieg in das Turnier von Kitzbühel. Wobei da der Haken der Quarantäne noch ungelöst scheint.

WTA-Tour in Pörtschach?

Nach knapp fünfmonatiger Corona-Pause startet heute das Frauen-Tennis in Palermo. Die Suche nach weiteren, sicheren Austragungsorten läuft – und da fiel das Augenmerk auf Pörtschach. Wie könnte der Coup – die Entscheidung fällt heute – gelingen? Da der Grand-Slam das Auslangen ohne Qualifikation finden wird, blieben zu viele Spielerinnen ohne Praxis. Also braucht es mehrere kleinere Events, auch Prag zeigt Interesse.

Als man bei Gernot Dreier, er ist Turnierreferent des Kärntner Tennisverbandes, anfragte, war schnell Bereitschaft gefunden. Pörtschach (Sand, Auftakt wie New York am 31. August) hat eine Historie mit FedCup, Davis Cup und einem ATP-Turnier (2006 – 2008). Politik und Behörden sind mit Sicherheitskonzepten informiert, im Hintergrund half Alexander Antonitsch (Kitzbühel-Start: 7. September) in der Organisation mit. Also steht ein 125.000-Dollar-Turnier steht am Wörthersee ante portas. Gibt es aber – in diesem Sommer – genug freie Hotelzimmer nahe der Werzer-Arena? (fin)