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Buwog-Prozess

Grasser-Prozess: Meischberger ortet Preis-Leak bei Bank Austria

Ruecktritt FPOe Abgeordneter Meischberger
Meischberger (l.) und Haider bei einer Pressekonferenz im Jahr 1999 - als er sein Nationalratsmandat zurücklegte. Er war damals wegen Anstiftung zur Steuerhinterziehung verurteilt worden.APA
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Der angeklagte Ex-FPÖ-Mann Walter Meischberger sagt, seine eigenen Tipps über den Verkauf der Bundeswohnungen von Jörg Haider erhalten zu haben.

Der 152. Tag im Grasser-Prozess war am Montag überraschend schnell zu Ende. Auf Wunsch mehrerer Anwälte hat Richterin Marion Hohenecker vor der Sommerpause drei Tage - Montag bis Mittwoch - für Beweisanträge und Stellungnahmen anberaumt, doch diese waren mit ihren Anliegen schon zu Mittag fertig. "Dann fahren wir morgen wieder mit dem Fahrplan des Gerichts fort", so Hohenecker.

Lediglich ein Beweisantrag wurde heute gestellt, er betraf den Letztangeklagten. Die Anwälte der prominenten Angeklagten - Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, dessen Trauzeugen Walter Meischberger und Ex-Immofinanzchef Karl Petrikovics - stellten keine Anträge. Grasser verzichtete auch darauf, jetzt eine eigene Stellungnahme abzugeben.

Meischberger: CA Immo als „Vehikel“

Rund eine Stunde lang fiel dann die Stellungnahme von Meischberger aus. Er sprach einmal mehr von einseitigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und einer medialen Vorverurteilung. Meischberger betonte heute, dass ihm der verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider gesagt habe, wie viel das letztendliche Sieger-Konsortium aus Immofinanz und RLB OÖ für die Bundeswohnungen (Buwog und andere) bieten musste, um den Zuschlag zu erhalten. Das sei eine völlig legale Information gewesen, da weder er noch Haider in der Causa Geheimnisträger waren.

Es könnte aber auch die Verschwiegenheitspflicht bei der Bank Austria verletzt worden sein, die als Financier mit der unterlegenen CA Immo um die Wohnungen gerittert hatte - mutmaßte heute Meischberger. Zeugen aus der Bank hatten in den vergangenen Tagen die Vertraulichkeit im Haus betont, ein Leak lasse sich aber nie ausschließen. Denn rund 30 Personen innerhalb der Bank Austria hätten über das letzte Angebot der CA Immo gewusst. Die Bank Austria habe die CA Immo als "Vehikel" vorgeschoben und sei selber an den Bundeswohnungen interessiert gewesen, so Meischberger.

Starzer am Wort

Nach Meischberger ergriff der mitangeklagte Ex-RLB-OÖ-Vorstand Georg Starzer das Wort. Er warf dem ebenfalls mitangeklagten Ex-Immofinanz-Chef Petrikovics falsche Aussagen vor. Die RLB OÖ habe die geheime Millionenprovision für Peter Hochegger und Meischberger nicht mitbezahlt, betonte er. Dass Petrikovics behaupte, dass der Anteil der RLB OÖ beim Verkauf der ESG innerhalb des Konsortiums an die Immofinanz gegenverrechnet werde, damit sei er "mutterseelenallein", so Starzer.

Am Dienstag geht es im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts weiter. Auch am Mittwoch wird verhandelt, bevor es in die August-Pause geht. Für den viertangeklagten Lobbyisten Peter Hochegger dauert der letzte Verhandlungstag vor der Unterbrechung aber nur kurz. Er fliegt am Mittwochnachmittag in seine Wahlheimat Brasilien, für die die Bundesregierung aufgrund der besonders hohen Infektionszahlen im Zuge der Coronapandemie eine Reisewarnung der Stufe sechs erlassen hat.