Geheimes Vermögen: Die Briefkästen des Jörg Haider

Briefkaesten Joerg Haider
Jörg Haider(c) AP (Hans Punz)

Bei Kontoöffnungen in Liechtenstein stießen Ermittler auf geheimes Vermögen des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns. Fünf Millionen Euro - früher soll es noch weit mehr gewesen sein. Woher stammt es?

In Liechtenstein laufen viele Fäden zusammen. Neben seriösen Holdings und Stiftungen geben sich in dem alpenländischen Steuerparadies korrupte Diktatoren, zwielichtige Geschäftsleute und schlichte Steuersünder die Klinke in die Hand. Auch bei den Ermittlungen zu den Verkäufen der Hypo Group und der Buwog weist so manche Spur zu Konten in Liechtenstein. Floss über sie Schwarzgeld an Entscheidungsträger?

Dieser Verdacht war im Frühling Grund genug für eine konzertierte Aktion von Sonderermittlern aus drei Ländern: Österreich, Deutschland und dem Fürstentum selbst. Dabei stießen sie bei 46 durchleuchteten Gesellschaften zwölfmal auf einen Namen, mit dem sie wohl gar nicht gerechnet hatten: Jörg Haider. Bei den Kontoöffnungen trat ein geheimes Vermögen des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns von fünf Mio. Euro zu Tage.

Und es soll früher noch weit mehr gewesen sein: 45 Mio., von denen der größte Teil schon Jahre vor Haiders Unfalltod im Oktober 2008 bei allzu riskanten Geschäften verspekuliert worden sei. Das berichtet „Profil“ in seiner aktuellen Ausgabe. Die beteiligten Staatsanwaltschaften haben die Ermittlungsergebnisse zur Verschlusssache erklärt und kommentieren die Veröffentlichungen nicht. Aus welchen Kanälen stammt dieses Geld? Dunkel sind sie allemal, denn niemand will über die stattliche Reservekassa Bescheid gewusst haben. Haider-Witwe Claudia erklärt, dass sie auch im Laufe des Erbschaftsverfahrens nicht auf diese Konten gestoßen sei. FPK-Chef Uwe Scheuch beteuert: „Ich garantiere, dass dieses Geld in keinem Zusammenhang mit meiner Partei steht.“

Petzner wundert sich. Haiders ehemaliger Pressesprecher Stefan Petzner (BZÖ) zeigt sich verwirrt („Ich kann mir die genannte Größenordnung nicht vorstellen“), hat aber auch eine kuriose Erklärung parat: „Ich glaube, dass eventuell Schilling und Euro verwechselt wurden.“ Die Kärntner Spitzen von SPÖ, ÖVP und Grünen aber zeigen sich rundum empört und fordern komplette Aufklärung. „Es wird immer sichtbarer, welch ein Sumpf sich um Haider gebildet hat“, meint etwa ÖVP-Klubchef Stephan Tauschitz.

Tatsächlich gerät Haider posthum nun immer stärker in den Strudel vermuteter Malversationen. Erst vergangene Woche fiel Haiders Name im Zusammenhang mit angeblichen Provisionsflüssen auf Liechtensteiner Konten. Willibald Berner, früher Kabinettschef unter Infrastrukturminister Michael Schmid, soll nach eigener Aussage vor dem Staatsanwalt vom Lobbyisten Peter Hochegger im Jahr 2000 ein unmoralisches Angebot erhalten haben: Bei Geschäften von FPÖ-geführten Ministerien sollte ein erlesener Kreis von Provisionsempfängern profitieren, darunter Berner selbst, Finanzminister Karl-Heinz Grasser – und Haider, mitsamt drei engen Vertrauten und Freunden. Das berichtet zumindest der „Falter“ und zitiert dabei auch ein ziemlich schwaches Dementi Hocheggers, das dieser vor der Staatsanwaltschaft deponiert haben soll.

Höchst aufklärungsbedürftig erscheint auch Haiders Rolle im Zusammenhang mit einem angeblichen „Sponsoring“ für das Klagenfurter Fußballstadion. Die Münchner Staatsanwaltschaft vermutet, dass Haider die Zahlung von fünf Mio. Euro durch die BayernLB zur Voraussetzung für den Kauf der Hypo Group machte. Ein Kärntner Erstligaklub samt Stadion waren Haider ein Herzensanliegen. Auf sein Betreiben hin wurde 2007 die Lizenz von Pasching gekauft. Laut Haider kostete das „fünf bis sechs Millionen Euro“ – von unbekannter Herkunft. „Wenn die Übersiedlung fertig abgewickelt ist, werde ich das offenlegen“, lautete sein leeres Versprechen. Hier liegt ein weiteres Geheimnis, das der schillernde Politiker mit ins Grab genommen hat.

Kam das Geld aus nicht deklarierten Spenden? Schon vor zehn Jahren vermuteten Ermittler im Rahmen der Spitzelaffäre, dass 60Mio. Schilling am Fiskus vorbei auf Auslandskonten geflossen seien, auf die Haider Zugriff hatte. Auf Weisung des damaligen Innenministers Ernst Strasser wurden die Ermittlungen eingestellt. Im Übrigen darf nun bei der Suche nach geheimen Spendern die Gerüchteküche aufkochen. Mit Sicherheit kolportiert wird der Gönner, der aus der Wüste kam– Libyens Revolutionsführer Gadhafi. Auch für ihn, wie für alle anderen, gilt die Unschuldsvermutung.